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Kein Prozess wegen Todesschuss auf 16-Jährigen

In diesem Haus in Sittensen fielen vor fast genau zwei Jahren die tödlichen Schüsse (Foto: Foto: Polizei)
tk. Stade/Sittensen. Das Landgericht Stade wird kein Verfahren gegen einen Rentner (79) aus Sittensen eröffnen, der im Dezember 2010 einen Jugendlichen (16) erschossen hatte, der ihn zusammen mit mehreren Komplizen in seinem Haus in Sittensen überfallen hatte. Die Staatsanwaltschaft Stade hatte den Mann wegen Totschlags angeklagt. Der Überfall vor fast genau zwei Jahren hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Tipp zu dem Überfall kam von einer Prostituierten, die den vermögenden Rentner kannte. Die Räuber wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft hatte anfangs keine Anklage gegen den Mann aus Sittensen erhoben. Sie ging von einer Notwehrlage des damals 77-Jährigen aus. Die Angehörigen des Jugendlichen hatten aber Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt. Daraufhin wurde erneut ermittelt.
Ergebnis: Weil der Senior im Augenblick des tödlichen Schusses nicht gewusst habe, dass der 16-Jährige mit seiner Geldbörse auf der Flucht war, könne nicht von einem so genannten Verteidigungswillen ausgegangen werden. Folge: die Anklage wegen Totschlags.
Das sieht das Landgericht Stade anders. Laut Kai Thomas Breas, Sprecher der Staatsanwaltschaft, schließt die Begründung des Gerichts auch sämtliche andere Tötungsdelikte wie fahrlässige Tötung oder Körperverletzung mit Todesfolge aus.
Ob damit die juristische Aufarbeitung zum Tod des Jugendlichen beendet ist, steht noch nicht fest. Seine Familie ist Nebenkläger und kann gegen die Entscheidung des Landgerichts Beschwerde beim Oberlandesgericht Celle einlegen. Diese Möglichkeit hätte auch die Staatsanwaltschaft, die davon vermutlich keinen Gebrauch machen wird. Rechtsmittel seitens der Opfer-Familie sind aber zu erwarten.