Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Messer-Attacke in Steinkirchen: Lebenslänglich für den Angeklagten?

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Ralph Wichmann (Foto: bc)
lt. Stade/Steinkirchen. Hat der für den Tod seiner Freundin verantwortliche Angeklagte die Tat heimtückisch geplant oder nicht? Über diese Frage im Prozess gegen einen 28-jährigen Mann, der im Juni eine 26-jährige Frau in Steinkirchen mit mehreren Messerstichen umgebracht hat, muss sich nun die zuständige Kammer des Stader Landgerichts Gedanken machen. Am kommenden Montag soll das Urteil gesprochen werden.
Kürzlich hielten die Staatsanwältin, die Nebenklagevertreterin und der Verteidiger ihre Plädoyers. Während sowohl die Oberstaatsanwältin als auch die Rechtsanwältin der Mutter des Opfers eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes für den Angeklagten fordern, plädiert der Verteidiger auf Totschlag. Er hält eine siebenjährige Freiheitsstrafe für seinen Mandanten, der u.a. mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft ist, für angemessen.
Die Mordmerkmale der Heimtücke und der niederen Beweggründe sieht Verteidiger Ralph Wichmann nicht erfüllt. Sein Mandant habe die Wehrlosigkeit seines Opfers nicht bewusst ausgenutzt und die Tat weder absichtlich begangen noch geplant. Vielmehr habe er impulsiv gehandelt und sei selbst von seinem Gewaltausbruch überrascht gewesen, so Wichmann. Der Verteidiger merkte an, dass sein Mandant ein ähnliches Verhalten gegenüber einem Menschen, der ihm am Herzen lag, schon einmal gezeigt habe - nämlich als er 2011 seine damalige Freundin angriff, mit der er sich später versöhnte.
Dass der Angeklagte am Tat-Tag ebenfalls auf eine Versöhnung mit dem Opfer hoffte, so wie er es zuvor ausgesagt hatte, hält die Anwältin der Mutter des Opfers, Sabine Hippert-Otromke, für ausgeschlossen. Da er getrunken, geraucht und an der Spielkonsole gesessen habe statt zu arbeiten, habe der Angeklagte offensichtlich alles getan, um die angespannte Situation zwischen ihm und seiner Freundin weiter zu verschärfen. Nach Meinung von Hippert-Otromke habe der Täter Wut und Hass empfunden und sei eifersüchtig gewesen, weil seine Freundin wieder Kontakt zu ihrem Ex-Freund aufgenommen hatte.
Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage sind davon überzeugt, dass der Täter sein Opfer geplant und nicht aus einem Impuls heraus getötet hat. Dafür spreche u.a. das relativ kleine Zeitfenster, in dem Täter und Opfer gemeinsam im Haus gewesen seien. Die 26-jährige, die als gutmütig, lebensbejahend und großzügig beschrieben wurde, habe sich an dem Abend noch eine Pizza in den Ofen geschoben und sei dann nach oben in ihr Schlafzimmer gegangen. Sie habe bewusst den Kontakt zu ihrem Freund, der noch am gleichen Abend ausziehen sollte, vermieden. Die junge Frau habe laut Zeugenaussagen zwar ein ungutes Gefühl aber keine Todesangst gehabt, bevor sie ins Haus ging.
Dass die Mutter des Opfers zur Tatzeit direkt unter dem geöffneten Schlafzimmerfenster ihrer Tochter auf der Terrasse beschäftigt gewesen sei und nichts gehört habe, spreche ebenfalls dafür, dass der Messer-Attacke kein Streit vorausging, so Hippert-Otromke.
Sie betonte vor Gericht noch einmal, dass ihre Mandantin ihre Tochter für immer verloren habe und sich ihr Leben fragen werde, ob sie die Tat nicht doch hätte verhindern können. Eigentlich waren die beiden Frauen, die ein inniges Verhältnis hatten, am Abend noch für einen Spaziergang mit dem Hund verabredet. "Doch die Mutter wird ihr Kind nie wiedersehen", so Hippert-Otromke.
Der Angeklagte starrte während der Verhandlung fast ununterbrochen nach unten auf den Tisch und schien teilweise mit den Tränen zu kämpfen. "Es ist zu schrecklich, was ich getan habe", sagte er am Ende der Verhandlung. Er wisse, dass er sich nicht entschuldigen könne, aber es täte ihm trotzdem leid. "Ich wollte ihr nichts tun und kann es mir nicht erklären", so der 28-Jährige, dessen Familie auch im Gerichtssaal saß.
Das Urteil soll am Montag, 5. Dezember, um 14 Uhr vor dem Stader Landgericht gesprochen werden.