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Messerstecher sah Dämonen

Der Angeklagte (re.) und sein Rechtsanwalt
 
Die Große Strafkammer um den vorsitzenden Richter Matthias Bähre (Mi.)

Prozessauftakt nach Fahrstuhl-Mord in Buxtethude: Täter droht Unterbringung in der Psychiatrie

tp. Stade. "Stich zu!" Unbekannte "Stimmen" hätten ihm diesen Befehl erteilt, sagte der wegen Mordes an einem Senior aus Buxtehude angeklagte Obdachlose Markus S.* (26) zu Prozessbeginn am Montag am Landgericht in Stade. Aufgrund seiner seelischen Erkrankung, paranoider Schizophrenie, wird der Täter aller Wahrscheinlichkeit nach als schuldunfähig eingestuft. Da er jedoch als für die Allgemeinheit gefährlich gilt, steht ihm die dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung bevor.

Wie berichtet, tötete Markus S. sein Opfer, den polnisch-stämmigen Tadeusz K.* (61), am 31. Oktober gegen 17.30 Uhr wortlos und unvermittelt mit einem Messerstich in den Rücken, als dieser den Fahrstuhl des Mietshauses an der Schröderstraße in Buxtehude verließ. Vor den Augen seines Enkelsohns (5) brach der Großvater im Treppenhaus zusammen. Er erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen. Markus S., der in dem Buxtehuder Hochhaus zu Besuch bei einem Freund war, wurde wenige Stunden nach der Tat in einem Zug in Rotenburg festgenommen.
Zum Prozessbeginn wurden die von einer Überwachungskamera gedrehten Filmsequenzen des Verbrechens, das der Staatsanwalt als "heimtückisch" bezeichnete, gezeigt. Im Gerichtssaal herrschte bedrückende Stille. Die Witwe des Ermordeten, die als Nebenklägerin auftritt, kämpfte mit den Tränen.

Schläfrig blinzelnd und mit gefalteten Händen verfolgte der in dem Sicherungsverfahren angeklagte Markus S., der zuletzt in einem Obdachlosenheim in Stuttgart wohnte und seit der Tat im Landeskrankenhaus in Lüneburg untergebracht ist, das Prozessgeschehen. "Ich habe erst später gemerkt, was ich getan habe, es tut mir total leid, doch es ist geschehen", sagte Markus S. Er erklärte dem Richter, dass er am Tattag in schlechter geistiger Verfassung und übermüdet war. In den Morgenstunden habe er eine Flasche Wodka geleert und später Haschisch geraucht. Entgegen einer ärztlichen Verordnung habe er zudem seit längerer Zeit die ihm verschriebenen Psychopharmaka nicht eingenommen, sodass Symptome seiner seelischen Erkrankung wie "Stimmen hören" und andere Halluzinationen auftraten, so S.: "Ich wollte, dass es aufhört und steckte meinen Kopf in eine laufende Mikrowelle - doch die Sicherung sprang heraus."

Aus der Küche seines Freundes nahm er sich schließlich ein Messer, um ein Zeitungspaket zu öffnen, das neben den Briefkästen im Treppenhaus lagerte. Auf dem Weg vom siebten Stock dorthin fand dann die schicksalhafte Begegnung statt, die einen Unschuldigen das Leben kostete. Bei der Fahrt im Lift habe er an den Augen von Tadeusz K., die "dunkel und leer" waren erkannt, dass sein Gegenüber von "Dämonen besessen" war und rammte seinem Opfer das Messer ins Schulterblatt.

Am ersten von insgesamt vier Prozesstagen wurden zwei Polizisten als Zeugen befragt. Fortsetzung der Verhandlung ist am Donnerstag, 23. April, 9.15 Uhr.
*Name v. d. Red. gekürzt