Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Noch kein Urteil im Raser-Prozess

Die Eltern des verstorbenen Rico: Rolf Dobrick und Cornelia Heldt-Dobrick sagten: "Das dauert alles viel zu lange." Wichtig ist ihnen, "dass der Raser überhaupt verurteilt wird"

Nach Unfalltod dreier Jugendlicher in Fredenbeck: Richter bestellt weiteres Gutachten

tp. Stade. In dem Prozess wegen fahrlässiger Tötung eines jungen Mädchens (14) sowie zweier junger Männer (16) gegen einen jungen Raser (19) aus Kutenholz bei Fredenbeck vor dem Amtsgericht in Stade müssen sich Hinterbliebene der Opfer weiter gedulden. Bei der Verhandlung am Mittwoch, 5. Juni, hatten viele der rund 40 Prozessbeobachter mit einem Urteil gerechnet. Doch mindestens zwei weitere Verhandlungstage werden folgen.
Grund: Der vorsitzende Richter will ein weiteres Gutachten anfordern, in dem der technische Zustand des Unfallfahrzeugs und der Tachostand erneut unter die Lupe genommen werden sollen. Bei der Erstellung der Expertise bahnen sich Komplikationen an: Der Unfallwagen, ein roter VW Golf, wurde zwischenzeitlich - offenbar ohne Einwilligung des Gerichts - verschrottet.
Wie berichtet, waren die jungen Unfallopfer im November 2012 mit dem Golf bei Fredenbeck unterwegs, als der Unfallfahrer wohl wegen überhöhten Tempos von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte. Das Mädchen und die beiden Jungen erlagen noch am Unglücksort ihren Verletzungen.
Die Eltern des bei dem Unfall verstorbenen Rico (16 †), Rolf Dobrick (53) und Cornelia Heldt-Dobrick (48), die als Nebenkläger am Prozess beteiligt sind, sagten über die Verzögerung der Urteilsverkündung: "Das dauert alles viel zu lange." Unabhängig davon ist den Eltern wichtig, dass der Unfallfahrer, der laut Zeugenaussagen ein notorischer Raser gewesen sein soll, überhaupt verurteilt wird. Doch egal, welche Strafe den Angeklagten erwarte, eine moralische Genugtuung gebe es nicht, so die Eltern: "Die getöteten Kinder werden durch keine Strafe wieder lebendig."
Der heute 19-jährige Unfallfahrer ist bereits wegen anderer Verkehrsdelikte wie Fahrens ohne Führerschein zu Jugendarrest und Arbeitstauflagen verurteilt worden.
Bei der Verhandlung am Mittwoch ging ein Raunen durch den Gerichtssaal, als ein Zeuge (19) zu verstehen gab: "Ich soll hier aussagen, dass er anständig fuhr." Er habe sich auf Betreiben des Vaters des Beschuldigten, der seinen Sohn zum Gerichtstermin begleitete, zu der Zeugenaussage bereit erklärt.
Weitere Zeugen haben ihn belastet: Ein junger Mann (22) hat den Fahrer eines roten Golf, der der Unfallwagen gewesen sein könnte, gefilmt, als er auf einem Wendeplatz in Fredenbeck die Reifen durchdrehen ließ. Mindestens drei Mitfahrer hätten in dem Fahrzeug gesessen.
Eine frühere Bekannte (15) des Unfallfahrers gab an, er sei "chaotisch und ständig zu schnell" gefahren. Einmal habe er versucht, einen Bekannten zu einem Autorennen zu überreden.
• Die nächsten Verhandlungstage wurden für Mittwoch, den 26. Juni und Dienstag, 16. Juli, jeweils 9.30 Uhr, anberaumt.