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Oldendorf steht unter Schock

Die Wohnidylle trügt: In dem Winkelbungalow ereignete sich ein tödliches Ehedrama
 
Verkohlter Bilderrahmen

Nach Ehedrama: Messerstecherin (46) schweigt in U-Haft

tp. Oldendorf. Auch Tage nach dem Familiendrama, bei dem eine Frau (46) aus Oldendorf ihren Ehemann (49†) am Freitag in den frühen Morgenstunden so stark mit Messerstichen in den Brustkorb verletzt haben soll, dass er noch am Tatort starb, stehen die Menschen im Ort unter Schock: Äußerlich habe es so gut wie keine Anzeichen auf ein drohendes Beziehungsunglück gegeben, berichten Bürger aus dem Geest-Dorf, die das WOCHENBLATT befragte. Die dringend tatverdächtige Ehefrau, die in einem niedersächsischen Frauengefängnis in U-Haft sitzt, schweigt zu den Tathintergründen. Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt wegen Mordes.

Ruhig und zurückgezogen lebten die Eheleute in dem Neubaugebiet "Getreidesiedlung". Den schicken Bungalow mit großer Garage und Terrasse hatte das aus Gräpel stammenden Paar mit seiner Tochter (18), die während der Tat nicht im Haus war, erst im vergangenen Jahr bezogen. Der Zierrasen ist - wie an allen umliegenden Häusern - penibel gestutzt, der Vorgarten mit Figuren, "Willkommen"-Schild und Kürbissen dekoriert.

Nur ein verschmorter Bilderrahmen mit der Aufschrift „Home sweet Home“ zeugt von dem Streit, bei der die Tatverdächtige versucht haben soll, im Haus einen Brand zu legen. Als die Polizei und Feuerwehr nach einem Notruf, den der verletzte Ehemann mit letzter Kraft per Telefon absetzte, mit einem Großaufgabot anrückten, war das Feuer bereits erloschen. "Schrecklich", sagt eine Nachbarin, die gegen 5.30 Uhr das Blaulichtflackern bemerkte und später zusah, wie Mitarbeiter der Spurensicherung in weißen Overalls den Tatort inspizierten.

In der örtlichen Drogerie und beim Dorf-Bäcker, wo Menschen nahezu minütlich ein- und ausgehen und sich das Tötungsdelikt am Freitag wie ein Lauffeuer herumsprach, gab es am Mittag erste vorsichtige Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung der Frau. Sie soll in psychiatrischer Behandlung gewesen sein, berichten die einen hinter vorgehaltener Hand, die anderen sagen lediglich, sie habe es "mit den Nerven gehabt".

Rentnerin Ingrid Schmelke, die mit ihrer Familie bis vor Kurzem die gleichnamige Bäckerei in Oldendorf führte, kannte den Verstorbenen persönlich. Anfang der 1980er Jahre hat er in dem Handwerksbetrieb Bäcker gelernt und rund ein Jahrzehnt dort gearbeitet. Sie beschreibt ihn als "zuverlässig, bescheiden und fleißig" und ist bestürzt über seinen Tod. Auch von der vermutlichen Täterin, die in der mobilen Altenpflege arbeitete, habe sie von Bekannten, die sie betreute, bislang nur Gutes gehört. "Wir sind alle sprachlos", so Schmelke.

"Nach dem Drama sind alle sehr traurig", sagt Bürgermeister Johann Schlichtmann, der beide kannte. Auch das Opfer sei Mitglied im Sportverein gewesen. „Nette Leute“, die sich nach dem Umzug aus Gräpel rasch ins Dorfleben integriert hätten. Ihm tue vor allem die Tochter leid, sagt Schlichtmann. Sie sei nun auf sich selbst gestellt.

Täglich besuchen Trauernde und Schaulustige das mit rot-weißem Flatterband umspannte Grundstück und blicken fassungslos auf das polizeilich versiegelte Wohnhaus: Eine ältere Frau ist besorgt über den Trend zur Anonymität auch auf dem Lande. Denn auch im ehemaligen Bauerndorf Oldendorf gebe es immer mehr Zugezogene, die werktags ihrer Wege gehen und wenig voneinander wissen.