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Sollte Undercover-Polizist als Killer angeheuert werden?

tk. Stade. Wollten ein Vater (55) und sein Sohn (35) die Frau eines weiteren Bruders und Sohnes töten lassen? Diese Frage muss die Schwurgerichtskammer am Landgericht Stade ab Montag, 16. Februar, beantworten. Angeklagt sind die beiden Männer aus dem Kreis Stade wegen Anstiftung zum versuchten Mord.

Die Geschichte hinter dem Fall ist eine Familientragödie, die sich auch als Drehbuch für einen Krimi eignen würde. Gerichtssprecherin Petra Baars übt sich in Zurückhaltung. In einer Presseerklärung schreibt sie, dass "eine dritte Person die Tat gegen Zahlung einer Belohnung ausführen sollte." Was Baars nicht schreibt: Bei der dritten Person handelte es sich offenbar um einen Polizeibeamten, der verdeckt ermittelte.

Vor ungefähr fünf Jahren verschwand die Schwiegertochter des Angeklagten mit ihren beiden Kindern aus dem Landkreis Stade. Petra Baars spricht auf WOCHENBLATT-Nachfrage von "einer Nacht- und Nebelaktion aufgrund triftiger Gründe".

Irgendwann begannen Vater und Sohn nach Ansicht der Ermittler ein Mordkomplott zu schmieden. Der Ehemann der Frau hatte damit offenbar nichts zu tun. Der Sohn soll nach einem Auftragskiller Ausschau gehalten haben. Davon erfuhr die Polizei. Ein Beamter soll sich nach unbestätigten Angaben undercover als Auftragsmörder ins Gespräch gebracht haben. Dabei solle auch über die Bezahlung verhandelt und Beseitigung der Leiche gesprochen worden sein.

Um Vater und Sohn bei der Erteilung des Mordauftrages ertappen zu können, veranlassten die Ermittlungsbehörden offenabr ein Schreiben von der Schwiegertochter an ihre Familie. Das Schreiben wurde mit einem Absender versehen. Die Beamten warteten daraufhin, dass sich die Auftraggeber bei dem falschen Killder meldeten, um den Mord zu veranlassen. Was nach Angaben des Strafverteidigers Lorenz Hünnemeyer, der den Vater vertritt, nicht geschehen sei.

Für Hünnemeyer ist jetzt bei der Verhandlung zu klären, ob die beiden Angeklagten, die nach Erhalt des Briefes keinen Kontakt mehr zu dem "Auftragsmörder" aufgenommen haben sollen und auch nicht selbst zu der Wohnung gefahren seien, von ihren Mord-Absichten Abstand genommen haben - oder nicht.
Die Schwiegertochter und Schwägerin tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf.

• Der Prozess beginnt am Montag um 9.15 Uhr.