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Vier Brände in einem Jahr an der Harburger Straße in Stade

"Das war gewiss Brandstiftung": Mieter Andreas Werner verlor sein gesamtes Hab und Gut
 
Rettete sich durchs Schlafzimmerfenster: Mieter Gerd Mundt. Er geht von Brandstiftung aus: "Denn die Wohnungen waren technisch einwandfrei"

Nach Duplizität der Ereignisse: Anwohner haben Angst vor dem Feuerteufel

tp. Stade. Die einen kehren unentwegt Ruß von ihren Grundstücken, während über ihnen Ascheregen herabrieselt, andere beobachten hinter vorgezogenen Gardinen die Löscharbeiten einer Hundertschaft der Feuerwehr, viele wirken eingeschüchtert, geben sich wortkarg: An der Harburger Straße in Stade wächst die Angst vor einem Feuerteufel, nachdem dort am Montagmorgen zum wiederholten Mal ein Reetdachhaus in hellen Flammen stand. Der letzte Brand liegt gerade ein Wochenende zurück.

Gegen 8.30 Uhr steht eine im ganzen Stadtgebiet sichtbare Rauchsäule am Himmel, Martinshörner der Feuerwehren aus Stade und dem Umland heulen. Als die Helfer am Einsatzort eintreffen, brennt das betagte Reetdachhaus, das ursprünglich zu einem Bauernhof gehörte, in voller Ausdehnung. Ein Abrissbagger reißt die Mauern nieder, um der Feuerwehr den Zugang zu den Glutnestern im Gebäude-Inneren zu ermöglichen. Gut zwei Stunden nach Ausbruch des Feuers, das laut Polizei vermutlich im leeren Dachgeschoss ausbrach, ist der schmucke Backsteinbau (Baujahr 1880) komplett zerstört. Sachschaden nach ersten Schätzungen: mehr als 300.000 Euro.

"Schon wieder", war die erste Reaktion von Hausbewohner Gerd Mundt (51), als ihn Nachbarn, die zuvor die Feuerwehr alarmiert hatten, aus dem Schlaf klopften und warnten: "Schnell raus. Es brennt!" Er kletterte durch das Schlafzimmerfenster ins Freie.

Bereits im März legte ein Unbekannte am Dach über dem Eingang ein Feuer. Die Flammen konnten rechtzeitig gelöscht werden. Gerd Mundt, Monteur im Vorruhestand, schließt einen technischen Defekt aus. Die beiden Wohnungen im Haus seien technisch in gutem Zustand gewesen.

Das bestätigt Junggeselle Andreas Werner (55), der seit 19 Jahren in dem Haus zur Miete wohnt. Der Arbeitslose, der - wie sein Nachbar - sämtlichen Hausrat, Papiere und seine persönliche Habe verlor, ist überzeugt: "Hier war ein Brandstifter am Werk."

Anlass zu der Vermutung, der sich inzwischen viele Beobachter anschließen, gibt die sonderbare Duplizität der Ereignisse. Wie berichtet, wurde erst am Samstag, 28. November, in fußläufiger Entfernung - kurz vor der Schenkung an eine Stader Stiftung - eine denkmalgeschützte Reetdach-Kate zerstört. Dort brannte es schon einmal im August. Von bösartigen Verdächtigungen, das Haus möglicherweise aus finanziellem Kalkül selbst angezündet zu haben, hat sich der Eigentümer inzwischen in einem Medienbericht öffentlich distanziert: Das Gebäude war gar nicht versichert.

Die Brandursachen sind offiziell in beiden Fällen noch unklar. Die ermittelt Polizei in alle Richtungen. Die Zeugenbefragungen begannen noch während der Löscharbeiten.

Bei Anrainern der Harburger Straße keimt ein mulmiges Gefühl auf: "Geht ein Feuerteufel um?" Eine Anwohnerin mag nach eigenem Bekunden ihr Einfamilienhäuschen "nicht mehr aus dem Auge lassen".

Mehrere Schaulustige kritisierten den reißerischen Bericht in einer Boulevardzeitung vom Wochenende: Ein Mensch mit krankhaftem Bedürfnis nach dem Anblick von Flammen könnte sich durch die mediale Aufmerksamkeit zu weiteren Brandstiftungen animiert gefühlt haben.

http://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/stade/blaul...