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"Alles im Fluss?!": Aktionstag für seelische Gesundheit in Stade

Bei der Fachtagung zum Thema "Seelische Gesundheit" (v. li.): Erster Kreisrat Dr. Eckart Lantz, Thomas Altgeld (Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen), Wolfram Beins (Landesfachbeirat Psychiatrie Niedersachsen) und Jörg Röhmann vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium. Das Stehaufmännchen wurde von Patienten der Tagesklinik des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Stade angefertigt
lt. Stade. Schüler unter Leistungsdruck, Erwachsene, die im Berufsleben immer flexibler und mobiler sein müssen sowie Senioren, die sich in einer schnelllebigeren Umgebung kaum noch zurecht finden und Angst vor Einsamkeit haben: In dieser Welt, die immer höherer Anforderungen an die Menschen stellt, sind seelische Erkrankungen an der Tagesordnung. Rund zehn Prozent aller Krankschreibungen bundesweit sind auf psychische Probleme zurückzuführen.
Wie man die seelische Gesundheit fördern und die Herausforderungen der Zukunft meistern kann, diskutierten jetzt namhafte Referenten und Fachleute beim 6. Niedersächsischen Aktionstag für seelische Gesundheit in Stade. Unter dem Motto "Alles im Fluss?! Seelische Gesundheit und ihre Störungen im Lebenslauf" wurden die verschiedenen Lebensphasen beleuchtet, Ansätze zur Förderung der seelischen Gesundheit im Landkreis Stade vorgestellt und betroffene Personen angehört.
Der Blick müsse sich vor allem auf die Kindergärten und Schulen richten, so Staatssekretär Jörg Röhmann vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium. Kinder müssten die Chance bekommen, eine selbstbewusste Persönlichkeit zu entwickeln und nicht das Gefühl haben, sie seien ohne Abitur weniger wert, so Röhmann. Ein durchlässigeres Bildungssystem mit einer längeren gemeinsamen Beschulung aller Kinder sei der richtige Weg.
Wichtig sei außerdem, dass Arbeitgeber mehr Verantwortung übernehmen indem sie "ordentliche Löhne" zahlen und ihren Angestellten häufiger unbefristete Verträge anbieten. Chefs sollten auch tolerieren, dass ihre Mitarbeiter nicht immer und überall erreichbar seien.
Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sei die Förderung von ambulanten Pflegemöglichkeiten. "Es ist ein Skandal, wenn jemand mit Pflegestufe I in einem Pflegeheim leben muss", so Röhmann.
Anstatt auf dem platten Land ein Pflegeheim nach dem anderen zu bauen, sollten Wohnformen etabliert werden, die ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben zuhause ermöglichen, so Röhmann. Er werden sich für entsprechende gesetzliche Änderungen einsetzen, die die Einrichtung von Senioren-Wohngemeinschaften erleichtern.
Wolfram Beins vom Landesfachbeirat Psychiatrie Niedersachsen sieht ein weiteres Problem in dem komplexen und zu bürokratischen System der vielen Sozialleistungsträger, die die Zuständigkeiten für Kranke und Pflegebedürftige häufig von einem zum nächsten schieben würden. Am Ende käme das Geld oft nicht dort an, wo es wirklich benötigt würde, so Beins.
Positiv sei aber, dass das Stigma einer psychischen Erkrankung deutlich geschwunden sei.
Im Rahmen des Aktionstages ist die Ausstellung "Licht sucht Dunkel - Dunkel sucht Licht - Wege aus der Krise" mit Texten und Bildern von Kerstin Deppe, Monika Keßler und Christian Rüthing noch bis Donnerstag, 24. Oktober, im Foyer des neuen Rathauses in Stade zu sehen.