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Auf der Walz etwas von der Welt sehen: Zimmermannsgeselle Tim Gerstenkorn aus Stade wurde "losgebracht"

Geht auf die Walz: Zimmermannsgeselle Tim Gerstenkorn aus Stade
lt. Stade. "Ich will unterwegs sein und was von der Welt sehen", sagt Tim Gerstenkorn (20). Und dafür hat der Zimmermannsgeselle aus Stade jetzt mindestens drei Jahre und einen Tag Zeit. So lange nämlich dauert die Walz, auf die sich Tim jetzt begibt. Mit einem traditionellen Zimmermannsklatsch wurde er von knapp 100 Freunden, Angehörigen sowie Handwerkslehrlingen und Gesellen am Stader Ortsausgang verabschiedet und "losgebracht".

Die Zimmermannslehrlinge der Handwerkskammer Stade hatten dazu einen "schwebenden Dachstuhl" gefertigt, der sich um die eigene Achse drehen kann. In der traditionellen Zimmermannskluft verteilten sich einige Lehrlinge auf dem Dachstuhl und drehten klatschend einige Runden, um Tim auf die Reise zu schicken.

Bevor es dann endgültig los ging, musste der angehende Wandergeselle noch ein tiefes Loch ausheben, in dem er anschließend etwas Hochprozentiges vergrub. Wenn er zurückkehrt, muss Tim den "Schatz" wieder ausgraben. Zu guter Letzt kletterte Tim, der zunächst von einigen erfahrenen Wandergesellen begleitet wird, noch über das Ortsschild.

Während der Walz muss Tim sich immer mindestens 50 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt aufhalten. Er darf kein Handy besitzen und sollte möglichst kein Geld für Transportmittel ausgeben. Seine Kluft darf er zu keiner Zeit gegen Alltagskleidung tauschen. Sein Hab und Gut verstaut er im traditionellen Tragetuch "Charlottenburger".

Wandergesellen dürfen außerdem mit höchstens fünf Euro im Gepäck starten und auch nicht mehr Geld mit zurückbringen. Sie müssen ledig und schuldenfrei sein. "Es geht eben nicht darum, Reichtümer zu sammeln, sondern Erfahrungen", sagt Zimmer- und Ausbildungsmeister Lothar Fontes.

Jährlich begibt sich ca. ein Geselle aus dem Landkreis Stade auf die Walz. Rund 450 deutsche Wandergesellen gibt es. Weltweit sollen es etwa 10.000 Wandergesellen sein. Der Anteil der Frauen liegt insgesamt bei etwa zehn Prozent.