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Ausbildung in Qualifizierungsküche: Förderung läuft aus

André Viedts hatte ohne Schulabschluss keine Chance auf einen regulären Ausbildungsplatz. Mit 23 Jahren ist er nun im ersten Ausbildungsjahr
bc. Stade. Für junge Leute ohne Schulabschluss, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben, sind die Qualifizierungsküche und das angeschlossene Bistro in Stades Altländer Viertel ein Segen. Seit 2007 haben hier ca. 50 Bewerber eine Lehre zum Koch oder Fachkraft im Gastgewerbe begonnen. In gut behüteten Verhältnissen. Doch genau diese Ausbildung verliert zunehmend an Bedeutung.

Denn: Die Agentur für Arbeit wird kein Geld mehr aus dem Topf der sogenannten Benachteiligtenförderung dazuschießen, um Ausbildungsplätze zu finanzieren. Grund ist der demografische Wandel, in dessen Folge viele Firmen händeringend nach Auszubildenden suchen, was in der Logik der Agentur bedeutet, dass auch die schwer vermittelbaren Fälle bessere Chancen auf eine Lehrstelle haben müssten.

Waren es 2007 neun Ausbildungsplätze, die im Altländer Viertel vom Bund mitfinanziert wurden, waren es zuletzt noch sechs. Zum Ausbildungsstart im September ist es nun erstmals kein einziger Platz mehr.

"Wir werden trotzdem weiter Benachteiligte fördern", sagt Udo Heinsohn aus der Geschäftsleitung des Berufsbildungswerks (BBW) Cadenberge, Träger von Qualifizierungsküche und Bistro. Drei neue Bewerber werden im September eine Lehre beginnen. Mehr sei ohne Fördergelder nicht zu bezahlen, so Heinsohn.

André Viedts hat erst im vergangenen Jahr eine Ausbildung zum Koch in der Qualifizierungsküche begonnen. Ohne Schulabschluss hatte der heute 23-Jährige aus Wiepenkathen jahrelang keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt. Jetzt will er die Lehre unbedingt beenden: "Wir werden hier sehr gut auf die Prüfungen vorbereitet", sagt der junge Mann.

Ob Menschen wie André Viedts irgendwann einen regulären Ausbildungsplatz in einem Restaurant oder einer Großküche gefunden hätten, bezweifelt Dr. Maria Stegmann vom BBW: "Ich sehe das Auslaufen der Förderung Benachteiligter kritisch. Der Druck auf dem ersten Arbeitsmarkt ist ein ganz anderer als bei uns." Die Abbrecherquote sei viel höher. "Bei uns erhalten die Auszubildenden mehr Unterstützung", so Stegmann.

Die Qualifizierungsküche wird aber nicht nur unter sozialen Gesichtspunkten geführt. Mittlerweile ist sie aus Stades Infrastruktur nicht mehr wegzudenken. Bis 2019 läuft noch der Kontrakt des BBW mit der Stadt für die Essensversorgung in allen städtischen Schulen und Kindertagesstätten, sofern sie über eine Mensa verfügen. Neben der Küche bei der Lebenshilfe und der auf dem Hansecampus, die auch beide vom BBW betrieben werden, ist die Qualifizierungsküche ein wesentlicher Bestandteil im Konzept des Berufsbildungswerks.

Und das soll sie auch noch lange bleiben - mit oder ohne Förderung.