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Baustelle ruht bis Jahresende

Bautechniker Hans-Jürgen Schult im "Merhaba"-Haus, dass bei Abbrucharbeiten auf dem Nachbargrundstück Schaden nahm

Abriss soll Weihnachtsgeschäft in der Stader Altstadt nicht stören / "Merhaba"-Haus abgestützt

tp. Stade. Schuttberge, Ruinen und ein zwei Meter hoher Bauzaun mitten in der Fußgängerzone: Nach der Abriss-Panne an der Hökerstraße in Stade (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach) sind die Betreiber der umliegenden Geschäfte genervt von dem hässlichen Anblick und beklagen Umsatzeinbußen: Nun zieht der Bauherr, Ergün Yildiz (Burger King), Konsequenzen: Um das Weihnachtsgeschäft an der belebten Einkaufsstraße nicht weiter zu behindern, lässt er den Abbruch entgegen seiner ursprünglichen Pläne bis Jahresanfang ruhen.
Die Stadt hatte die Baustelle stilllegen lassen, nachdem eine Außenwand des neben den beiden Abbruchhäusern (Nummer 38 und 40) liegenden Gebäudes mit dem "Merhaba"-Imbiss (Nummer 36) einzustürzen drohte. Laut dem von Yildiz mit dem Abriss und Neubau von zwei Geschäftshäusern betrauten Architekten Assmus Buttge aus Stade werden Arbeiter in den kommenden Tagen den Schutt beseitigen, den Abrissbagger abtransportieren und den Bauzaun zurücksetzen. Der Abbruch soll im Januar mit leichterem Gerät weitergehen.
Zwischenzeitlich ist die Eigentümerin des von der Stadt geräumten "Merhaba"-Hauses, Geschäftsfrau Rebecca Da Dalto aus Cuxhaven, ihrer Sicherungspflicht nachgekommen. In ihrem Auftrag hat der Bautechniker Hans-Jürgen Schult aus Otterndorf die Jahrhunderte alte Immobilie mit einem innen eingebauten Gestell stabilisiert. Zusätzlich stützte Schults Team die Fassade mit an Stahlplatten befestigten Zug-Ankern. "Es besteht keine Gefahr mehr für Menschen im Gebäude", sagt Schult, nach dessen Angaben das Haus auch ohne das Gerüst standsicher sei. Das für die Fassandensicherung errichtete Baugerüst bleibe stehen, so Schult, denn die Eigentümerin plane im kommenden Jahr eine Fassaden-Sanierung. Nach seiner Einschätzung kann der Betreiber des türkischen Schnellrestaurants voraussichtlich im Februar wieder seine Räume beziehen.
Nach wie vor ist die Haftungsfrage ungeklärt, juristische Auseinandersetzungen scheinen programmiert: Hans-Jürgen Schult betrachtet den Einsatz des Abrissbaggers als "gravierenden Fehler". Dafür sei die Bausubstanz "zu sensibel". Er verweist in diesem Zusammenhang auf den allgemeinen Bestandschutz von Altstadtbauten.
Architekt Buttge hält dagegen: Die Baumängel an dem "Merhaba"-Haus wären auch bei einer sanfteren Abriss-Methode zutage getreten.
Beide Seiten führen ein Beweissicherungsverfahren durch.
Übrigens: Nach Auskunft der Stader Verwaltungsspitze beginnt - ebenfalls aus Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft und auf den Weihnachtsmarkt - der Abriss der "Hertie"-Ruine am Pferdemarkt aller Voraussicht nach frühestens im Januar.