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Botschaften auf Klebepapier: Was steckt hinter den "Lieb sein"- Aufklebern

am. Stade. Auf Mülleimern, Laternenpfählen und Straßenschildern - überall kleben momentan die kleinen, bunten Sticker mit der Aufforderung: „Lieb sein!“ Manchmal gesellt sich ein Aufkleber mit kreativ gemalten Menschen, lustigen Wesen oder undefinierbaren Gegenständen dazu.
Urheber der Aktion ist eine Gruppe von Straßenkünstlern, die anonym bleiben will. Fragt man nach ihrem Künstlernamen, erfährt man, dass sich jeder „Lieb sein“ nennt. Die meisten wohnen in Hamburg, einer in Stade. Das WOCHENBLATT sprach mit einem der Straßenkünstler. „Die Aufforderung ,Lieb sein!‘ ist nicht im Sinne von ‚brav sein‘ gemeint“, sagt er, „sondern vielmehr: Sei nicht unfreundlich anderen gegenüber, verhalte dich stets fair.“ Bisher hätten sie, auch wenn sie beim Kleben erwischt wurden, nur positive Resonanz erhalten.
Vor rund vier Jahren formierte sich die Gruppe in Hamburg. Wie viele andere Stickerkünstler gehörten sie zuvor der Graffitti-Szene an, ehe sie sich auf die kleinen Aufkleber spezialisierten. Ursprünglich als „Unterschrift“ zu einem Kunstwerk anstelle des Grafitti-Tags gedacht, fand der eingängige Spruch bald große Verbreitung über die Grenzen Hamburgs hinaus.
Die Hobbykünstler produzieren die Aufkleber mit Schablonen, legen sie manchmal in Stapeln in Cafés aus oder tauschen mit anderen Kreativen.
Die Mülleimer, Laternen und Schilder und die darauf sichtbaren Klebereste verraten einen weiteren Aspekt der bunten Straßenkunst: „Was wir machen ist semi-illegal“, sagt er. Solange sich der Aufkleber ohne größere Mühe wieder entfernen lässt, sei es keine Sachbeschädigung. Wer aber den Untergrund beschädigt, der mache sich strafbar. „Ich persönlich achte darauf, keine Fassaden zum Beispiel von Fachwerkhäusern zu bekleben“, sagt der Straßenkünstler. Die Stadtreinigung hat dennoch alle Hände voll zu tun, die Aufkleber wieder zu entfernen. Mit Schabern kratzen die Mitarbeiter die Klebereste runter.
Die Künstler lassen sich davon nicht beirren. „Wir machen weiter, denn wir wollen die Welt ein bisschen besser machen und ein kleines Stück bunter“.