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Bruder schweigt zum Tod seiner kleinen Schwester

Gerichts-Sprecherin Petra Baars (li.) beantwortet nach dem Prozessauftakt die Fragen der Presse

Warum musste Aaya (†, 11) sterben? Prozessbeginn wegen Totschlags vor dem Stader Landgericht


sb. Stade. Wurde die kleine Aaya (†, 11) aus Neu Wulmstorf im März von ihrem älteren Bruder A. erstickt? Der 19-Jährige muss sich seit Montag vor dem Landgericht Stade verantworten. Ihm wird vorgeworfen, seine Schwester getötet und anschließend in einem Müllsack im Gartenschuppen des elterlichen Grundstücks versteckt zu haben. Die Anklage lautet Totschlag, der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen.

Dunkles, tailliertes Hemd, Jeans, Marken-Turnschuhe und eine ungebändigte Locke über der Stirn - ruhig, fast besonnen, trat der junge Mann am ersten Prozesstag auf. Seine Eltern waren nicht vor Ort. Zur Familie gehören insgesamt vier Kinder. A. ist der einzige Sohn, beide Eltern sind Akademiker. Richter Berend Appelkamp machte es kurz: Schon nach rund 45 Minuten war der erste Vorhandlungstag vorbei. Der Indizienprozess soll bis November dauern.

Juristische Fehler warfen die beiden Hamburger Anwälte des Angeklagten, Annette Voges und Robert Funk, der Polizei bei der Vernehmung des Bruders vor. Die Beamten hätten bei der Befragung bereits einen Tatverdacht gehabt. Darauf hätte der Beschuldigte hingewiesen werden müssen. "Eine Zeugenvernehmung auf dieser Basis kommt einer Fallen-Stellung gleich und ist rechtswidrig", sagte Voges und stellte den Antrag, A.s Aussage in der Nacht nach der Tat vor Gericht nicht zu verwerten.

Fraglich bleibt nach dem ersten Verhandlungstag, welche Zeugenaussagen im Prozess überhaupt Gehör finden werden. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, bleiben eventuell nur Aussagen der Polizei und der Gerichtsmedizin. Denn die Eltern des Angeklagten werden wahrscheinlich von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. "Das könnte zur Folge haben, dass auch die Aussagen der Familie vor Prozessbeginn eventuell nicht verwertet werden dürfen", sagt Gerichtssprecherin Petra Baars. Der nächste Verhandlungstag ist Montag, 15. September.