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"Brückenbäckeraktivisten" bauen leerstehendes Geschäft zum neuen Dorfmittelpunkt um

Sie packen an (v.li.): Michael Göthert, Fadi Hejazi und Jan Sulzer
 
Die ehemalige Bäckerei Feldtmann in Estebrügge wird von den Bürgern zum neuen Dorfmittelpunkt umgebaut
lt. Estebrügge. Was gerade in dem kleinen Jorker Örtchen Estebrügge passiert, hat Vorbildcharakter. Anstatt Trübsal zu blasen, weil die Traditionsbäckerei des Dorfes Anfang des Jahres nach mehr als 180 Jahren ihren Betrieb für immer eingestellt hat, sind die Dorfbewohner aktiv geworden. In den zentral gelegenen Räumen direkt an der Estebrücke schaffen rund 15 Engagierte einen neuen Treffpunkt für alle Bürger aus den Estegemeinden.
Die Idee dazu stammt von Jan Sulzer. Der Arzt aus dem Nachbarort Königreich hat die leerstehende Bäckerei auf eigene Kosten - zunächst für fünf Jahre - angemietet. "Ich bin sicher, dass es sich lohnt, hier im Dorf was anzupacken", sagt Sulzer. Der dreifache Familienvater schlüpft in seiner Freizeit ebenfalls in die Arbeitshose und hilft beim Renovieren.
Inzwischen ist die Ex-Bäckerei nicht wiederzuerkennen. Die Türen wurden bunt bemalt, Wände gestrichen, 1,1 Tonnen Müll weggeschafft und der ehemalige Verkaufsraum hat sich in einen hellen Ort der Begegnung verwandelt. Hier fanden bereits EM-Public Viewings sowie ein Bürgerschnack anlässlich der bevorstehenden Kommunalwahlen statt.

Die "Brückenbäckeraktivisten" um Jan Sulzer, die gerade dabei sind, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, haben viele weitere Ideen zur Nutzung des neuen Dorfmittelpunktes. Vorleseaktionen für ältere Bürger und für Kinder sollen hier stattfinden, die Räume sollen für Foto- und Bilderausstellungen sowie für Seminare oder einfach zum Klönen und Kaffee trinken genutzt werden.
Außerdem hofft Jan Sulzer, dass im ehemaligen Backraum künftig z.B. Männerkoch- oder Backaktionen für Kinder stattfinden können. "Es wäre toll, wenn wir den alten Ölbackofen wieder in Gang bringen könnten", sagt Sulzer.
Dass er von den Dorfbewohnern so viel positive Resonanz und Unterstützung bekam, hat ihn überwältigt. Natürlich gebe es auch skeptische Stimmen, die die Pläne fragwürdig finden, die große Mehrheit der Estebrügger stehe dem Vorhaben aber zuversichtlich gegenüber.
Zahlreiche Spenden sind in den vergangenen Monaten bei den "Brückenbäckeraktivisten" eingegangen, darunter eine Spülmaschine und ein Kaffeevollautomat für die Küche sowie viele Tische und Stühle.

Und die Möbel sind teilweise geschichtsträchtig. So stammen einige Stühle und Tische aus der ehemaligen Gaststätte "Zum Weinkeller" in Jork-Moorende von Carsten und Annegret Feicks. An den in Estebrügge hergestellten Eichentischen sei schon so manche Runde Skat gekloppt worden, berichtet Annegret Feicks.
Sie freut sich, dass die Tische und die von einer kreativen Dorfbewohnerin schick verzierten Stühle nun nicht weiter im Schuppen ein Schattendasein fristen, sondern in einem neuen Dorfkapitel eine Rolle spielen.
Zu dem neuen Abschnitt im Dorfleben gehören inzwischen natürlich auch viele Flüchtlinge. Einige helfen fleißig mit beim Renovieren und erleben so hautnah, was eine Dorfgemeinschaft alles auf die Beine stellen kann.

Die "Brückenbäckeraktivisten" haben eine eigene Facebook-Seite, auf der sie regelmäßig über anstehende Veranstaltungen und Treffen informieren. Die Gemeinschaft hat schon mehr als 150 Likes. Im Rahmen des Estebrügger Herbstmarktes am dritten Wochenende im September will das Team um Jan Sulzer die umgebaute Bäckerei für alle Besucher öffnen und Kaffee und Kuchen servieren.
www.facebook.com/diebrueckenbaeckerei