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"Danke für die Menschlichkeit"

Gudrun Gramm mit Erinnerungsfotos ihres verstorbenen Freundes Hans-Alfred Lenz
 
Bild aus guten Tagen: Hans-Alfred Lenz genoss das Leben (Foto: Gramm privat)

Die letzten Lebenstage im Klinikbett: Wie einem Todkranken Pflege im Licht der Nächstenliebe zuteil wurde

tp. Oldendorf/Stade. Am Ende eines bewegten Lebens einsam in einem Pflegebett zu liegen, das wünscht sich niemand: Dem alleinstehenden Rentner Hans-Alfred Lenz (85†), der keinen Kontakt mehr zu seinen Angehörigen hatte und seine letzten Tage im Elbe-Klinikum in Stade verbrachte, blieb dieses traurige Los erspart: "Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern kümmerten sich rührend und aufopfernd um den alten Herren, der so seine Einsamkeit vergessen konnte", lobt Lenz' Nachbarin und Freundin Gudrun Gramm (72) voller tief empfundener Dankbarkeit: "Hier war ganz viel christliche Nächstenliebe im Spiel. So soll sich in allen Krankenhäusern um sterbende Patienten gekümmert werden."

Witwe Gudrun Gramm kannte Hans-Alfred Lenz seit 2005. Damals zog er als Mieter in ihr Wohnhaus in Oldendorf ein. Die Senioren schlossen im Laufe der Jahre Freundschaft, vertrauten sich ihre Lebensgeschichten an. Mit 13 Jahren Flak-Helfer auf Helgoland, drei Jahre Kriegsgefangenschaft in Frankreich, Maschinenbaustudium und Karriere als Ingenieur im Ölpipeline- und Bohrinselbau mit unzähligen Auslandsaufenthalten, schließlich Ruhestand auf der beschaulichen Stader Geest: Gudrun Gramm kennt die wichtigsten Eckpfeiler aus Hans-Alfred Lenz' Vita. Nur über die Familie, zu der die Verbindung abgebrochen war, habe er wenig gesprochen.

Zwar hatte der frühere Lebemann, der sich in seiner Wahlheimat Oldendorf der Faschingsgilde anschloss, viele Bekannte, doch am Lebensabend, als ihm eine Geh- und Hörbehinderung zu schaffen machten, zog er sich zunehmend zurück. Gudrun Gramm wurde seine wichtigste Bezugsperson. Sie war es, der Mitte April auffiel, dass sich das Weiße in seinen Augen gelb gefärbt hatte - ein Zeichen für ein Leberleiden. Sie riet ihm: "Hans, geh' bitte zum Arzt." Wenige Tage später die Schock-Diagnose: Der Senior litt an einer unheilbaren, schnell voranschreitendem und besonders aggressiven Krebserkrankung. Metastasen hatten beinahe sämtliche Organe befallen.

Am 22. April wurde Hans-Alfred Lenz in das Elbe-Klinikum eingewiesen, wo er am Donnerstagmorgen, 30. April für immer die Augen schloss. In den anderthalb Wochen saß Gudrun Gramm beinahe täglich am Krankenbett ihres Freundes, und wurde Zeugin aufopferungsvollen Beistandes, den ihm Ärzte und Pfleger zuteil werden ließen: Dabei blieben der gläubigen Christin besonders die kleinen menschlichen Gesten in Erinnerung: ein Händedruck in schlafloser Nacht, ein fröhlicher Gruß am Morgen, das liebevolle Richten der Bettstatt. Und nicht zuletzt die Abschiedszeremonie: Im Totenzimmer brannten Kerzen, auf dem Nachttisch standen ein Kreuz und eine Engelsfigur. Gudrun Gramm: "Trotz der Schmerzen, die Hans zum Schluss ertragen musste, lag er ganz friedlich da - sogar ein Lächeln lag auf seinem Gesicht."

Überwältigt von sie viel Hilfsbereitschaft, bedankt sie sich beim Krankenhauspersonal: "Dort stehen Nächstenliebe und Menschlichkeit an oberster Stelle. Kein Patient ist nur eine Nummer."