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Das Aus für die "Möbelhalle" in Stade

Diakonie-Chefin Annette Kirn in der "Möbelhalle". Das soziale Kaufhaus schließt im Herbst

Gebrauchtmarkt und sozialer Treffpunkt verschwindet aus der Geschäftslandschaft

tp. Stade. Die "Möbelhalle" der Diakonie an der Altländer Straße in Stade schließt. Damit verschwindet eine Einkaufsgelegenheit für günstige Möbel und zugleich ein sozialer Treffpunkt aus der Stadt. Die Geschäftsführerin des Diakonieverbands Buxtehude-Stade, Annette Kirn (60), nennt wirtschaftliche Gründe für den Schritt.
Die "Möbelhalle" ist auf gespendete Möbel und Einrichtungsgegenstände angewiesen. "Doch wir bekommen immer weniger geeignete Ware", sagt Kirn. Große Wohnzimmerschränke aus den 1970iger Jahren etwa passen nicht in die kleinen Wohnungen der zumeist von Transferleistungen lebenden Kunden. Und: "Bis vor einigen Jahren gab es einen ehrenamtlichen Tischler, der Möbel aufarbeiten konnte und der zeitweise die Halle leitete. Als er in Pension ging, fanden wir keinen adäquaten Nachfolger", so Kirn weiter.
Zudem seien die Kosten für Miete, Reparaturen für die Autos und für Benzin gestiegen, die Umsätze hingegen gesunken. Auch sei die Halle "nicht optimal" für den Verkauf von Möbeln, so Kirn. "Man kann die Räume nicht schön gestalten. Auch fehlt ein ansprechendes Büro. Und im Winter ist die Halle nicht zu beheizen."
Zudem sei das ursprünglich gute Konzept der "Möbelhalle" nicht mehr aufgegangen. In der Einrichtung haben viele Menschen ehrenamtlich und als Ein-Euro-Jobber gearbeitet oder Sozialstunden abgeleistet. Eine Beziehung zur Anlaufstelle von Straffälligen war laut Kirn zuletzt jedoch "nur noch rudimentär".
Mehr als zwei Jahrzehnte war die "Möbelhalle" an verschiedenen Standorten in Stade ansässig. Am Montag, 16. September, beginnt der Räumungsverkauf. Bis Dienstag, 10. September, wird noch Ware angenommen. Letzter Verkaufstag ist Dienstag, der 15.Oktober.
"Möbelhallen"-Mitarbeiterin Sandra Weiß (37) ist traurig: "Hier liefen unsere sozialen Kontakte zusammen. Wir waren wie eine große Familie". Auch Stammkunde Georg Selke (65) bedauert die Schließung: "Die Stadt verliert einen wichtigen Treffpunkt. Außerdem konnte man hier schöne Schnäppchen machen."
• Wie das WOCHENBLATT berichtete, waren einzelne Mitarbeiter der "Möbelhalle" in die Kritik geraten. Sie sollen gute Möbel an der bedürftigen Kundschaft vorbeigeschleust und auf eigene Faust verkauft haben. Entsprechende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden laut Annette Kirn jedoch eingestellt.