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„Das ist eine Frechheit“: Statt 800 jetzt 1.483 Euro

Manfred Blech hat wenig Verständnis für die Gebührenpolitik der Drochterser Kirche
bc. Bützfleth/Drochtersen. Ausgerechnet die Kirche ein „Abzockverein“? Manfred Blech ist sauer. Der 65-Jährige aus Stade-Bützfleth wirft der Drochterser Kirchengemeinde St. Johannis und Catharinen vor, auf seine Kosten einen Reibach machen zu wollen. Statt 800 Euro Friedhofsgebühr soll er plötzlich 1.483,16 Euro bezahlen. „Das ist eine Frechheit“, schimpft der Mann.

Seine Geschichte: Im Januar stirbt seine Mutter, sie wird in der Familiengrabstätte auf dem Drochterser Friedhof beerdigt. Im März schickt er der Kirche einen Vertrag zu: Er wolle die Gebühren für die Grabstätte auf 25 Jahre im Voraus bezahlen - ein durchaus übliches Prozedere. „Wer weiß, wie lange ich noch lebe. Ich möchte meine Kinder nicht belasten“, erklärt er.

Acht Euro kostet ein Grabbett pro Jahr, so stand es in der Friedhofsunterhaltungsgebührenordnung der Kirche. Da zur Grabstätte vier Grabbetten gehören, macht das summa summarum 800 Euro für 25 Jahre. Von der Kirche erhält er lange Zeit keine Antwort. Bis vor einer Woche.

Am vergangenen Samstag bekommt Manfred Blech einen Brief mit einem neuen Vertragsangebot: Darin wird die Vorauszahlung neu ermittelt - mit einem Zinsesszins von 2,5 Prozent. Macht statt 800 Euro für 25 Jahre insgesamt 1.483,16 Euro! Manfred Blech fällt aus allen Wolken.

Das WOCHENBLATT hakt bei der Kirche in Drochtersen nach. „Ja, wir haben unsere Gebührenordnung geändert“, bestätigt Kirchenvorstandsvorsitzender Hinrich Knoop. Und zwar auf Empfehlung des Kirchenkreises Stade. Grund sei der defizitäre Friedhofshaushalt, der durch den Bau eines neuen Weges (Kosten: ca. 70.000 Euro) ins Minus gerutscht sei. Knoop: „Uns laufen die Kosten weg.“

Heike Kehlenbeck, stellvertretende Superintendentin, stellt klar: „Ein Friedhof muss sich alleine aus den Gebühren tragen.“ Kirchensteuern gebe es nicht. Alleine schon deswegen müssten die Gebühren regelmäßig erhöht werden, um die Inflationsrate auszugleichen. Zumal auf dem Kapitalmarkt so gut wie keine Zinserträge mehr zu erzielen seien. „Wir empfehlen den Kirchengemeinden daher, eine Steigerungsrate einzuplanen“, so Kehlenbeck. Eine konkrete Höhe werde nicht vorgegeben. Bei Vorauszahlungen sei das Problem, dass Steigerungen nachträglich nicht berücksichtigt werden können.

Manfred Blech kann die auf 25 Jahre fest eingeplante regelmäßige Erhöhung nicht nachvollziehen: „683 Euro an Zinsen soll ich bezahlen. Wenn das so ist, gebe ich der Kirche 10.000 Euro zur Geldanlage. Diese Zinsen bekomme ich bei keiner Bank.“