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"Das war wohl ein Verrückter"

Josefine Engelbert und ihr Ehemann Moses Jonny Mettback, der noch schlief, als das Feuer ausbrach
 
Mit einem Gebläse lüftete die Feuerwehr das verrauchte Treppenhaus

Nachbarn nach Brand in Messie-Wohnung im Altländer Viertel in Stade schockiert / Verdächtiger auf freiem Fuß

tp. Stade. Während Arbeiter am Montagmorgen verkohlte Möbel und Brandreste abtransportierten, standen die Bewohner des siebenstöckigen Mehrfamilienhauses an der Grünendeicher Straße 27 in Stade noch unter dem Eindruck der Geschehnisse vom vergangenen Freitag. Wie berichtet, hatte ein Mieter nach einem Konflikt mit einem Gerichtsvollzieher in seiner Wohnung Feuer gelegt und im Multi-Kulti-Quartier Altländer Viertel einen Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften ausgelöst und einen Schaden von 20.000 Euro verursacht. Es gab nur Leichtverletzte. „Das hätte viel schlimmer ausgehen können“, sagt die schockierte Hausbewohnerin Josephine Engelbert (20). „Der Brandstifter muss ein Verrückter sein!“

Wie berichtet, rückten die Retter gegen 9.40 Uhr zu dem Wohnblock aus, aus dem dichter Qualm drang. „Ein Gerichtsvollzieher, der im vierten Obergeschoss des Hauses eine Zwangsräumung durchführen wollte, hatte bemerkt, dass der 48-jährige Bewohner in seiner völlig vermüllten Wohnung offenbar Feuer gelegt hatte“, heißt es vom Stader Polizeisprecher Rainer Bohmbach.

Für den Tatverdächtigen klickten noch im Treppenhaus die Handschellen. Während der Mieter auf der Polizeiwache vernommen wurde, verfolgten Dutzende Schaulustige die Löscharbeiten. Unter ihnen Josephine Engelbert und ihr Ehemann Moses Jonny Mettbach (21), die im Erdgeschoss des Brandhauses wohnen. Nachbarn hatten das Paar durch Klopfen an der Haustür gewarnt. Josefine Engelbert weckte ihren noch schlafenden Mann und brachte ihren aufgeregt kläffenden Hund, Jack-Russel-Mix „Tinka“, bei ihrer Mutter unter, die ein paar Häuser weiter wohnt.

Die Löscharbeiten wurden durch Berge von Unrat erschwert, der sich in der Messie-Wohnung türmte.

Vorsorglich wurden die Wohnungen im vierten Obergeschoss und darüber evakuiert. Die Mieter konnten im Laufe des Tages wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. „Durch Glück wurde niemand ernsthaft verletzt, sieben Personen wurden durch die Ärzte begutachtet, ein Patient musste vor Ort ambulant versorgt werden“, sagt Rainer Bohmbach.

Der 48-Jährige wurde wegen fehlender Haftgründe wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Brandstiftung ermittelt. Offen ist laut Polizei, wo der jetzt Wohnungslose untergekommen ist.

Das gesamte Wochenende sei die Brandstiftung Hauptgespräch im Viertel gewesen, sagt Josefine Engelbert: „Nicht auszudenken, wenn das Feuer nachts gelegt worden wäre, wenn alle schlafen. In unserem Haus wohnen viele Familien mit kleinen Kindern.“

Hausbewohner David F.* (29) kann sich kein Reim darauf machen, warum sein Nachbar „plötzlich ausgerastet“ sei: „Er war immer die Ruhe selbst.“ Die Räumungsklage habe ihm wohl ordentlich zugesetzt.

• Um die Löscharbeiten durchführen zu können, musste von einem Baum ein größerer Zweig abgesägt werden. Dabei brachten Feuerwehrleute ein Vogelnest mit Eiern und Jungvögeln in Sicherheit.

*Name v. d. Red. gekürzt