Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Den Ernst der Lage verkannt?

Hat eine beschwerliche Privat-Fahrt ins Krankenhaus hinter sich: W. von Allwörden

Notfruf mit Hürden: Sohn bringt schwerkranke Mutter mit dem Privatwagen ins Krankenhaus

tp. Freiburg. Noch immer sauer auf einen Mitarbeiter der Rettungsleitstelle des Landkreises Stade ist Reiner von Allwörden (48) aus Freiburg. Nachdem ihm der Leitstellendisponent im Mai vergangenen Jahres einen Krankentransport verwehrt habe, brachte er seine schwerkranke Mutter W.* von Allwörden (81) mit seinem Privat-Pkw ins Elbe Klinikum in Stade. Dabei war laut von Allwörden höchste gesundheitliche Gefahr in Verzug. Er reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landkreis ein.

Nach Reiner von Allwördens Schilderungen leidet seine pflegebedürftige und gehbehinderte Mutter unter Herzschwäche, Diabetes, einer Lungen- sowie einer Lebererkrankung und ist Dialyse-Patientin. Am betreffenden Tag zur Mittagszeit habe sie - neben hohem Fieber - über starkes Schwindelgefühl und Übelkeit geklagt und am ganzen Leib gezittert. Der besorgte Sohn wähnte seine Mutter in Lebensgefahr, wählte die Notrufnummer und verlangte einen Krankenwagen. "Ich wolle einfach nur schnelle, medizinische Hilfe."

Laut von Allwörden habe der Leitstellenmitarbeiter offenbar den Ernst der Lage verkannt, auf die Formalität einer ärztlichen Vorordnung gepocht und andernfalls eine Privat-Rechnung von 1.000 Euro in Aussicht gestellt. "Doch unser Hausarzt war nicht erreichbar", sagt von Allwörden, der zugibt, in der emotionalen Ausnahmesituation am Telefon laut geworden zu ein. Der Leitstellenmitarbeiter seinerseits habe ihn "ruppig abgespeist".

Von Allwörden beendete wütend das verpatzte Telefongespräch. In Begleitung seiner Lebensgefährtin brachte er seine Mutter mit dem Auto ins rund 30 Kilometer entfernte Stader Krankenhaus. Auf der beschwerlichen Fahrt übergab sich die alte Dame mehrfach. Sie verbrachte zur Behandlung ihrer Mehrfach-Erkranung die nächsten fünf Wochen in der Klinik - die ersten zwei Wochen auf der Intensivstation.
Von Allwördens Vorwurf der "unterlassenen Hilfeleistung" weist der Landkreis zurück: Sogenannte qualifizierte Krankentransporte mit medizinischem Fachpersonal seien grundsätzlich auch ohne ärztliche Verordnung möglich. Sie erforderten aber "eine differenzierte Abfrage" des Leitstellenmitarbeiters, der "auf die Gesprächsbereitschaft des Anrufers angewiesen" sei. Die durch von Allwörden in dem "nicht optimal verlaufenen Gespräch" geschilderten Symptome seien ebenso typisch für einen harmlosen grippalen Infekt, die Entscheidung des Disponenten daher "fachlich korrekt".

Die Leitstellenmitarbeiter haben offenbar einen weiten Spielraum: Wenige Wochen nach dem verpatzen Notruf, so von Allwörden, habe die Leitstelle bei ganz ähnlichen Symptomen anstandslos einen Krankenwagen geschickt.

Auf WOCHENBLATT-Nachfrage sagt eine Landkreis-Sprecherin, sie gehe von einem bedauerlichen Einzelfall aus. Doch unsere Zeitung berichtete bereits über ähnliche Vorkommnisse.
*Name v. d. Red. gekürzt