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Der lange Weg zu den Gräbern in Stade

Wilfried Vagts an dem Zaun, der vor dem Fredhof (hi.) aufgestellt wurde (Foto: tp)

Wall und Bonanza-Zaun versperren Zugang zu Geestberg-Friedhof / Seniorenrat kritisiert Planungs-Wirrwarr

tp. Stade. "Plötzlich war da ein riesiger Erdwall und dann auch noch ein Bonanza-Zaun": Kopfschüttelnd steht Wilfried Vagts (67), Chef des Seniorenrates Stade, vor zwei Barrikaden, die seit mehr als einem Jahr den Nord-Zugang des Geestberg-Friedhofes versperren. Hinterbliebene müssen seitdem einen weiten und steilen Umweg in Kauf nehmen, um zu den Gräbern zu gelangen.

Hintergrund der Weg-Sperrung sind Neubautätigkeiten am Fuß des Geestberges. In der kleinen Einfamilienhaussiedlung "Über den Burgwiesen" laufen die Bautätigkeiten auf Hochtouren. Die Ausweisung der Grundstücke seitens der Stadt durchlief die ordentlichen Planungswege, das Ergebnis stiftet dennoch Verwirrung. Wo früher der von Generationen von Stadern genutzte, in mehreren Kehren bergauf verlaufende Zugang zu dem Gottesacker war, führt nun eine Pkw-Auffahrt zu einem privaten Eigenheimgrundstück. Dahinter ließ die Stadt von den Kommunalen Betrieben Stade (KBS) einen Sandhügel aufschütten, der Wilfried Vagts bis zum Bauchnabel reicht. Der zusätzlich zwischen den neuen Häusern und dem Friedhof aufgestellte Zaun signalisiert deutlich: Durchgang verboten!

Wilfried Vagts und die anderen Mitglieder des Seniorenrates, einem Verein der sich in Kooperation mit der Stadtverwaltung um die Belange älterer Bürger und Menschen mit Behinderung kümmert und für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum kämpft, verlangen eine praktikable Lösung.
Aktuell herrscht vor Ort eine unübersichtliche Gemengelage. Friedhofsbesucher müssen eine nach Vagts' Angaben 800 Meter lange Alternativroute über Baustraßen und einen gepflasterten Fußweg am Rand der Siedlung suchen. "Viele, die auf Gehhilfe oder Rollator angewiesen sind, machen schlapp", sagt Vagts. Auf Betreiben der Seniorenrates ließ die Stadt für Erschöpfte zwischenzeitlich auf der Strecke zwei Parkbänke als Rastmöglichkeit aufstellen. Den Senioren aus dem Gremium ist dies nicht genug: Sie fordern den Bau einer Abkürzung. Die Wunsch-Trasse ist schon durch Fußspuren durch ein Gebüsch und über den Grünstreifen zwischen Neubaugebiet und Friedhof vorgezeichnet. Die Stadt müsste den Trampelpfad, der den Umweg immerhin um gut 300 Meter verkürzt, nur noch befestigen.

Laut Bürgermeisterin Silvia Nieber denkt man in der Verwaltung über einen weiteren westlichen Friedhofseingang auf Höhe Rönnebyweg nach. Doch dies sei ist noch nicht entschieden, denn es gibt Planungshürden: Auf der vom Seniorenrat gewünschten Strecke liegen Urnenfelder. Und: Die Anforderungen für die genannte Zielgruppe, insbesondere Gehbehinderte, erforderten beim Neubau "erhebliche Flächen und baulichen Aufwand, der ins Verhältnis zu den damit erreichbaren Verbesserungen zu setzen ist". Die Bürgermeisterin verweist bis auf Weiteres auf die beiden Haupteingangstore des Friedhofes.