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Der Spaß am Verzicht: In der Fastenzeit wirbt die Kirche für Entschleunigung

Während der Fastenzeit verzichten viele Menschen auf Alkohol oder Süßes. Manche schalten auch bewusst ihr Smartphone ab
(lt). Es ist ein alter kirchlicher Brauch, der jedes Jahr auch bei nicht religiösen Menschen immer beliebter wird. Am vergangenen Aschermittwoch hat die traditionelle Fastenzeit begonnen. Eine Zeit, in der viele Menschen sieben Wochen lang auf Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol, Zigaretten, Fernsehen oder Computerspiele verzichten - oder sich einfach wieder mehr auf sich besinnen und bewusster
leben.
Frei nach dem Motto: „Augenblick mal! Sieben Wochen ohne sofort“, das sich die evangelische Kirche in diesem Jahr für die Fastenzeit ausgedacht hat und damit für die Entschleunigung des Alltags wirbt.
„Wir leben in einer hektischen Zeit, in der viele Dinge für uns selbstverständlich geworden sind“, sagt Pastor Uwe Junge aus Grünendeich. Umso reizvoller könne es sein, freiwillig auf etwas zu verzichten, um hinterher festzustellen, wie wertvoll es für uns ist. Dazu gehöre auch, einfach mal inne zu halten und eben nicht immer und überall erreichbar zu sein. Also einfach mal bewusst abzuschalten, so Junge.
Während der Fastenzeit entscheiden sich auch viele Menschen für eine klassische Heilfastenkur. Dr. Mathias Grau, Inhaber der Rats-Apotheke in Horneburg, weist darauf hin, dass grundsätzlich alle gesunden Menschen selbstständig für eine Woche fasten dürfen. Wer sich aber unsicher sei oder zum ersten Mal eine Heilfastenkur machen möchte, der sollte vorher den Hausarzt aufsuchen und von ihm Herz und Kreislauf kontrollieren lassen, so Grau. Kinder, Schwangere, stillende Frauen oder auch chronisch kranke Menschen wie zum Beispiel Diabetiker sollten keine Heilfastenkur machen.
Übrigens: Die mittelalterlichen Fastenregeln erlaubten nur eine Mahlzeit am Tag, in der Regel am Abend. Der Verzehr von Fleisch, Milchprodukten, Alkohol und Eiern war verboten. Darauf geht die Tradition zurück, in den Fastnachtstagen Backwerk mit Zutaten wie Milch, Eiern, Zucker oder Schmalz herzustellen, wie etwa Krapfen, um solche Vorräte vor der Fastenzeit aufzubrauchen.
Die Fastenaktion „Sieben Wochen Ohne“ der Evangelischen Kirche hat sich 1983 aus einer Stammtischidee des Hamburger Pressepastors Hinrich Westphal entwickelt.
www.siebenwochenohne.de

Kommentar:
Einfach mal mehr auf den Körper achten, auf ungesunde Lebensmittel verzichten und versuchen, im hektischen Alltag zu entschleunigen - das ist auch mein Ziel während der Fastenzeit. Böse Zungen könnten behaupten, dass man dafür keine festgeschriebene Zeit braucht. Mag sein, dass das stimmt. Trotzdem ist es eine wichtige Erfahrung, auch mal Nein zu sagen, wenn alle anderen ein Glas Wein trinken oder ein Stück Kuchen essen. Die Aktion „Sieben Wochen ohne“ bietet den passenden Rahmen und macht es etwas leichter, Nein zu sagen, weil man weiß, dass man nicht alleine ist. Ich bin überzeugt, dass jeder, der mitmacht, am Ende ein bisschen glücklicher ist.
Lena Stehr