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"Der stärkste Opa der Welt" kommt aus Kehdingen

Top-Oberkörper: Helmut Knösel treibt täglich Sport und hält sich so fit für seine Hochgebirgstrips (Foto: Knösel privat/Montage MSR)
 
Verletzt nach dem Fahrradunfall: Helmut Knösel (Foto: Knösel privat)

Helmut Knösel (67) schafft 120 Liegestütze! Per Rad zum Nordkap und mit dem Rucksack durch den Himalaya

tp. Drochtersen. Stolz präsentiert Helmut Knösel (67) seinen strammen Bizeps und seinen muskulösen Bauch, auf dem sich ein Sixpack abzeichnet, von dem viele junge Männer träumen: Freunde nennen ihn "den stärksten Opa der Welt". Seine Körperkraft investiert der drahtige Senior aus Drochtersen in wohltätige Reisen zu Fuß und per Rad. Wo der zweifache Großvater auf seinen Abenteuer-Touren Menschen in Not begegnet, greift er ihnen finanziell unter die Arme.

Knösel wuchs ohne Vater in ärmlichen Verhältnissen im abgeschiedenen Geversdorf an der Oste auf. "Meine Mutter war bildungsfern", sagt Knösel, der herkunftsbedingt keine hohe Schuldbildung genoss und zeitlebens auf dem Bau arbeitete - davon viele Jahre im Akkord unter Tage: Im Tunnelbau brach er mit dem Presslufthammer Gestein aus dem Erdreich.

Zusätzlich zur Knochenarbeit trieb Knösel seit seiner Jugend gerne Sport, lief Marathon und belegte obere Plätze beim traditionellen Insellauf auf Krautsand. Gerne beginnt er den Tag mit besonderer Morgengymnastik am Strand der Elbinsel: 120 Liegestütze am Stück! Am liebsten verbindet der agile Senior den Sport mit dem Reisen: Mit dem Trekkingrad fuhr er zum Nordkap - strampelte bis zu 200 Kilometer am Tag, schlief im Zelt. Die Skandinavier, die er unterwegs traf, schätzt er als "nett und zufrieden" ein. Vollkommen glückliche Menschen aber leben nach seiner Erfahrung in Gegenden der Erde ohne Luxus, wie Indien oder seinem Lieblingsland Nepal.

Auf Wanderungen in dem Hochgebirgsstaat gewann er viele Freunde, die ein einfaches Leben führen, wie er es liebt. "Das Materielle macht krank, das Leben mit der Natur macht glücklich", ist er überzeugt. Die meisten Bewohner des Himalaya würden bis ins hohe Alter harte körperliche Arbeit verrichten, Männer in seinem Alter Lasten bis zu 80 Kilo Gewicht bergauf, bergab kilometerlang über schmale Pfade tragen. "Die meisten sind kerngesund und gehen nur ganz selten zum Doktor", berichtet Opa Knösel.

Einmal brauchte der Abenteurer selbst einen Arzt: In Nepal stürzte er mit dem Rad und zog sich Prellungen, Blutergüsse und Schnitte im Gesicht zu, verlor mehrere Zähne. Der tibetische Arzt nähte die Wunden ohne Narkose: "Eine hübsche Krankenschwester hielt mir während der Operation die Hand, das war die beste Medizin", sagt Helmut Knösel mit einem Schmunzeln.

Inzwischen ist er genesen und macht sich mit täglich 25 Klimmzügen am Stück fit für die nächste Himalaya-Reise: Im Herbst besucht er die junge Tibetanerin Dolma (22). Sie stammt wie er aus einfachen Verhältnissen. Dolma, die für ihn wie eine Enkeltochter ist, finanzierte er eine Krankenschwester-Ausbildung. Bei Dolmas erstem Deutschlandaufenthalt im kommenden Jahr will der Senior die wissbegierige junge Frau zum Erfahrungsaustausch - und vielleicht für ein Berufspraktikum - mit Krankenschwestern und Ärzten im Landkreis Stade zusammenbringen.

So schafft Opa Knösel den Beweis, das man mit reiner Körperkraft und dem Herz am rechten Fleck viel Gutes tun kann.