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Die Bulle des Papstes: Sensationsfund in Horneburg

Kreisarchäologe Daniel Nösler (Foto: archiv)
lt. Horneburg. Viele überraschende Funde machten die Archäologen vor wenigen Monaten im geplanten Neubaugebiet Blumenthal, darunter u.a. 5.500 Jahre alte Gräber aus der Steinzeit, eisenzeitliche Siedlungsreste, einen Niederländischen Dukaten (Gold-Münze) von 1652 sowie zahlreiche gut erhaltene Siegel (das WOCHENBLATT berichtete).
Eine bisher in der Öffentlichkeit kaum bekannte Sensation ist aber der Fund eines ganz besonderen Siegels, sagt Kreisarchäologe Daniel Nösler jetzt auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter hatte beim Ablaufen des insgesamt 22 Hektar großen Areals unweit der Bundesstraße 73 mit dem Metalldetektor eine so genannte Papstbulle aus Blei entdeckt.
Mit diesem einzig und allein dem Papst vorbehaltenen Siegel wurden im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit regelmäßig wichtige Urkunden ausgestellt. Auf der Vorderseite der Bulle waren immer die beiden Apostel Petrus und Paulus abgebildet, auf der Rückseite des ca. sechs Zentimeter großen Bleistückes war stets der Name des jeweiligen Papstes eingeprägt.
In diesem Fall handelt es sich um Innozenz VI., der von 1352 bis zu seinem Tod 1362 Papst der katholischen Kirche mit Residenz in Avignon war.
Was während seiner Amtszeit in Horneburg Bedeutendes passiert sein muss, steht noch nicht fest, so Nösler. Viele wichtige Urkunden seien zerstört worden, als die Burg in Horneburg während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) komplett abbrannte.
Nösler vermutet, dass mit der Papstbulle etwas beurkundet wurde, das in Zusammenhang mit der Burg steht. Vermutlich sei damals ein Abgesandter des Papstes in der Region gewesen, um ein wichtiges Geschäft abzuwickeln.
"Dass das Siegel komplett erhalten geblieben ist und nicht - wie üblich - zerbrochen und eingeschmolzen wurde, ist merkwürdig", sagt Nösler. Umso interessanter ist der Fund für die Archäologen. In Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv soll nun im vatikanischen Archiv in Rom recherchiert werden, was während der Amtszeit von Papst Innozenz VI. - einer Zeit in der die wenigsten Menschen weder Lesen noch Schreiben konnten - in Horneburg passiert ist.