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Die geheimen Stadtgelüste in Stade

Willkommen bei "Angel": typischer Eingang zu einer Prostituiertenwohnung
 
Aufreizende Reklame an der Wand des Treppenhauses

Model-Wohnungen statt Sündenmeile: Rund 70 Prostituierte in Stade arbeiten in bürgerlicher Nachbarschaft / Wenig Kriminalität

tp. Stade. Kein Bordell weit und breit und auch keine sündige Meile im Bahnhofsviertel, nur hier und da ein rot blinkendes Herz im Fenster: Nach außen wirkt die Stadt Stade fast frei von Prostitution. Doch tatsächlich floriert an der Schwinge das Geschäft mit dem käuflichen Sex. Prostitutionsstätten seien in Stade im Vergleich zu anderen Städten gleicher Größe überdurchschnittlich häufig vertreten, sagt Polizei-Hauptkommissar Carsten Witt (47).

Die 70 registrierten Prostituierten der Stadt, die größtenteils aus dem ärmeren europäischen Ausland wie Rumänien oder Bulgarien stammen, und ihre Freier treffen sich fast ausschließlich in Model-Wohnungen: Meistens eingebettet in gutbürgerlicher Nachbarschaft, laden in Stade 18 Liebes-Appartements zum Tête-à-Tête. Zu dem gibt es zwei Wohnhäuser am Stadtrand an der Freiburger Straße und in Bützfleth-Schnee, in denen die Freuen ihrem Job nachgehen.
Zum Vergleich: In der Nachbarstadt Buxtehude, wo vor einigen Jahren das letzte Bordell dichtmachte, sind der Polizei nur knapp zehn Prostituierten-Wohnungen bekannt.

Den buchstäblich "starken Verkehr" führt Polizeisprecher Rainer Bohmbach auf die gute Schienenanbindung nach Hamburg zurück. Die Freier reisen also also mit der S-Bahn an. Auf das große, gut etablierte Sex-Angebot in Stade machen die Liebesdamen mit Kleinanzeigen in Zeitungen und auf Internetseiten wie http://www.stadtgelueste.de aufmerksam.

Als "auffällig unauffällig" bezeichnet Bohmbach das Milieu in der Kreisstadt. Die versteckte Rotlichtszene sei das Ergebnis eines jahrzehntelangen Anpassungsprozesses, der schon begann als Stade noch ein biederes Beamtennest und die Prostitution verboten war.

Wenngleich das älteste Gewerbe der Welt seit mehr als einem Jahrzehnt legal ist, haben Polizist Carsten Witt und sein Kollege, Oberkommissar Torben Schulze, die Szene dauerhaft scharf im Visier. Die beiden "Prostitutionsbeauftragten" gehören dem Ersten Fachkommissariat an, dessen Hauptgebiet "Mord und Totschlag" ist. Denn ein knappes Dutzend Mal im Jahr ereignen sich in den Model-Wohnungen handfeste Verbrechen: Diebstahl, Brandstiftung im Treppenhaus - und durchschnittlich drei Mal jährlich Menschenhandel.

"Nicht immer gehen die Frauen dem horizontalen Gewerbe freiwillig nach", sagt Carsten Witt. Solche Fälle aufzudecken und den Betroffenen ein "Freund und Helfer" zu sein, sieht er als seine Hauptaufgabe. Rund drei Mal jährlich retten die Stader Polizisten Frauen aus der "Sklaverei" eines Zuhälters. In Kooperation mit Frauenhäusern und der Organisation "Kobra - Zentrale Koordinierungs- und Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel" bringen sie die Betroffenen zurück in ihre Heimat.

Carsten Witt weiß, dass es sich mitunter um eine Sisyphusarbeit handelt, da sich der Markt auch in Stade schnell mit neuem "Frischfleisch" füllt: Nach seiner Kenntnis gibt es in kleinen osteuropäischen Dörfern Zuhälter, die darauf spezialisiert sind, Frauen in Deutschland auf den Strich zu schicken und umgehend für Nachschub sorgen. Überdies würden die Prostituierten von Zuhälter-Ringen aus Großstädten wie Hamburg und Bremen aufs platte Land "durchgereicht" - auch nach Stade.