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Die rote Nase dient als Selbstschutz

Klinikclowns in Stade tragen das kleinste Kostüm der Welt

at. Stade. Wenn sie in den Flur des Elbe Klinikums betreten, gibt es kein Halten mehr: Die Klinikclowns in Stade sind bei den jungen Patienten äußert beliebt. Zwei Mal in der Woche statten sie den kranken Kinder auf Station D einen Besuch ab. Musik, Luftballons, Seifenblasen und Show-Einlagen gehören zum Programm. Wie die Clowns mit den Schicksalen ihrer jungen Patienten umgehen, haben sie dem WOCHENBLATT erzählt.
Das schöne an jedem Clown-Arbeitstag: Er beginnt mit einem Lachen und er endet mit einem. "Wenn es so richtig von ganz tief unten kommt, dann ist es am besten", sagt Zapalotti (Kerstin Köpcke-Schulze). Sie verschenkt gemeinsam mit Zitronella (Eva Galk) seit mehr als zwölf Jahren dieses Lachen. Clownin Karotti (Claudia Haf) stieß vor drei Jahren zum Trio hinzu. Zu dritt trifft man die drei sehr selten, sie kommen sonst nur zu zweit oder alleine auf die Station.
"Ablenkung ist das halbe Leben", sagt Clownin Zapalotta. Es sei schließlich wissenschaftlich bewiesen, dass Lachen die Genesung vorantreibt. Und Spaß ist bei den drei Clowns garantiert: Wenn sie auf einer Gießkanne oder mit einem Gartenschlauch musizieren. Und die drei Spaßvögel genießen ihre Arbeit.
"Der Clown steht immer mit einem Bein im Paradies", sagt Clownin Zapalotta mit einem verschmitzten Lächeln. "Wir dürfen hier pauschal erst mal alles", fügt Zitronella hinzu. "Entschuldigen können wir uns hinterher immer noch." Selbst unbenutzte Säuglingsbetten sind vor den drei Spaßvögeln nicht sicher. "Mit Füße einziehen, geht das", sagt Karotti (Claudia Haf). Ein Programm haben die drei nicht, wenn sie ein Krankenzimmer betreten. Sie spiegeln die Reaktion der Patienten oder reagieren auf das, was der Patient macht. Ist er schüchtern, sind sie es auch, ist der Patient skeptisch, versuchen sie ihm die Angst zu nehmen.
Ob ihnen die Schicksale der Patienten ans Herz gehen? "Natürlich müssen wir in unserem Job sehr viel Empathie haben", sagt Zapalotta. Aber Mitleid sei fehl am Platz. "Nehmen wir die schlimmen Themen mit nach Hause, sind wir keine guten Clowns mehr." Die Nase mache den Unterschied. Claudia Haf beschreibt das so: "Wenn ich die tragen, bin ich Karrotti." Sie trage das kleinste Kostüm der Welt als Schutz. "Die Schicksale der Kinder auf den Stationen berühren mich als Privatperson", sagt die Clownin. Wenn sie aber ihr Kostüm ausziehe, dann lasse sie auch die schweren Themen im Krankenhaus.
Die Ausbildung der drei fand berufsbegleitend statt. Ein Jahr in dem sie ihren inneren Clown finden sollten, so nennen sie es. "Erst habe ich mit unheimlich vielen Requisiten gearbeitet", erinnert sich Karotti. "Dann habe ich sie nach und nach abgelegt und es blieben nur die Kleidungsstücke, die ich jetzt noch trage, wenn ich Karotti bin."