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Die Ruhe in Person: Stades Stadtbaurat hört nach 27 Jahren auf

Kersten Schröder-Doms hat Stades Stadtentwicklung maßgeblich mitgeprägt
bc. Stade. Ein Urgestein verlässt das Stader Rathaus. Am Freitag, 17. Juli, hat Kersten Schröder-Doms (68) seinen letzten Arbeitstag. Nach 27 Jahren als Stadtbaurat geht der Mann mit den schlohweißen Haaren und dem markanten Schnäuzer in den Ruhestand. „Ich freue mich auf die gemeinsame Freizeit mit meiner Frau“, sagt der Familienvater von drei erwachsenen Kindern.

Im Mai 1988 kehrte der damals 40-jährige Schröder-Doms beruflich in seine Heimatstadt Stade zurück, nachdem er nach dem Abitur 1968 am altehrwürdigen Atheneum eigentlich nur weg wollte: „Stade war damals eine muffige Beamtenstadt. Eng und spießig.“ Dass Stade heute einen gänzlich anderen Ruf genießt, ist ein Stück weit auch Kersten Schröder-Doms zu verdanken, der als Stadtbaurat viele wichtige Projekte begleitete. Die Fortführung der Altstadtsanierung gehört zu seinen wichtigsten Leistungen. Sein Motto: „Ich bin fest davon überzeugt, dass man beim Denkmalschutz keine Käseglocke über die Stadt legen sollte. Besser ist es, die alten Gebäude an die geänderten Bedürfnisse anzupassen“, sagt Schröder-Doms.
Beispiel: die stählernen Balkone an den alten Fachwerkhäusern. Das Ergebnis dürfte man als gelungen ansehen. Stades Altstadt ist ein lebendiger Tourismus-Magnet.

Auch die Entwicklung der Salztorsvorstadt, die Sanierung des Altländer Viertels, das zum Spielball „Berliner Spekulanten“ (O-Ton Schröder-Doms) geworden war, und die Entstehung des neuen Quartiers in Ottenbeck auf dem ehemaligen Kasernengelände fallen in die Ära des Diplom-Ingenieurs, Schwerpunkt Städtebau.

Bei der Planung für den neuen Stadtteil erlebte Kersten Schröder-Doms seine größte berufliche Niederlage. Das funktionierende Nahwärme-Netz der Bundeswehr hätte der Stadtbaurat gerne übernommen, stattdessen wurde es gegen Gasleitungen ausgetauscht. „Wir wären Vorreiter in Sachen Bioenergie gewesen“, sagt er.

Ob man ihm damals die Enttäuschung anmerkte, ist nicht mehr bekannt. Fest steht nur: Beobachtet man Kersten Schröder-Doms heute, zeichnet ihn seine unerschütterliche Ruhe aus. „Es lohnt sich einfach nicht, sich aufzuregen“, sagt er.

In politischen Sitzungen ist der Stadtbaurat ein Garant dafür, komplizierte Sachverhalte rhetorisch geschickt auf den Punkt zu formulieren. Schon als Schülersprecher bewies er Redegewandtheit. Als Herausgeber der Schülerzeitung „Hornisse“ hatte er bereits in jungen Jahren eine klare Meinung: „Es war die Zeit der ‚68er. Die Schülerschaft war hochpolitisch“, erinnert sich Schröder-Doms.

Kurz nach seinem Schulabschluss kam er tatsächlich direkt in Berührung mit der großen Politik. Seinen Wehrdienst absolvierte Schröder-Doms beim Bundesgrenzschutz. Er war zuständig, den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger in Bonn zu bewachen. Nach dem Studium und einer Ausbildung zu Bauassessor sammelte Schröder-Doms als Bauamtsleiter der Stadt Buchholz Erfahrung. Auch damals begleitete ihn das WOCHENBLATT. Bisweilen manchmal kritisch. Stolz ist Schröder-Doms vor allem auf den Umbau der alten Buchholzer Schule zum neuen Rathaus.

Und was macht Kersten Schröder-Doms nun den ganzen Tag, wenn er morgens nicht mehr ins Rathaus muss? Einen Plan gibt es: „Ich möchte Geschichte in Hamburg studieren.“ Auch reisen möchte er gerne. Der erste Trip steht bereits fest: Mit einem historischen Zug geht es durch England.