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Die Trauer wird digital

"Sittlichkeit wahren": Friedhofsverwalter Helmut Engelbrecht aus Stade
 
Eine Pixel-Plakette auf dem Grabstein - hier als Fotomontage - führt Handy-Nutzer zu Online-Informationen über Verstorbene

Neuer Trend: QR-Code auf dem Grabstein führt zu Bildern, Clips und Texten über Verstorbene im Internet

tp. Stade. Man kennt sie von modernen touristischen Themenpfaden oder aus der Werbung: QR-Codes. Zunehmend tauchen diese kleinen schwarz-weißen Pixelmuster für den schnellen Weg mit dem Smartphone ins Internet auch auf Friedhöfen auf. Wer den QR-Code mithilfe einer Anwendungssoftware (App) auf seinem Handy oder Tablet-Computer einliest, gelangt auf eine persönliche Erinnerungsseite mit Bildern, Video-Clips und Texten über den Verstorbenen. Fachleute aus dem Landkreis Stade stehen dem Trend generell offen gegenüber, mahnen aber zu sorgsamem Umgang mit den veröffentlichten Daten.

QR-Code-Plaketten findet man bereits auf dem Grab einer DDR-Bürgerrechtlerin in Berlin, einem Gedenkpfad über verdiente Persönlichkeiten auf einem Gottesacker in Aschersleben in Sachsen-Anhalt. Und bei der Internet-Agentur "QR-Erinnerung" können Hinterbliebene "Online-Gedenkpakete" für Verstorbene buchen.

Steinmetz-Meister Udo Bösch (42) aus dem ländlichen Oldendorf hatte bislang nur eine Anfrage diesbezüglich: Ein Kunde wünschte einen QR-Code für ein Krieger-Denkmal. Der Auftrag kam dann doch nicht zustande, weil der Auftraggeber eine andere Lösung wählte. Die Anbringung der QR-Plaketten sei "technisch kein Problem", so Bösch. Die Pixel-Schildchen sind für ihn eine Variante der immer individueller werdenden Grabmal-Gestaltung. Für ihn stellen sich aber auch folgende Fragen, wie: "Wer pflegt die Homepage? Wer prüft den Inhalt der Datenbank? Und wer sorgt dafür, dass Gedenk-Seiten nicht mit Homepages mit fragwürdigen, etwa politisch radikalen Inhalten, verlinkt werden?"

Steinmetz-Unternehmerin Anneliese Bätje (69) aus Stade ist der Trend wohl bekannt, sie selbst hatte bislang noch keine Anfrage für einen QR-Code. Für sie ist das Ausdruck des neuen Zeitgeistes: "Heute muss alles schnell und billig gehen." Preisgünstige Lösungen wie Gravuren auf einfachen Steinplatten oder Quadern mit bis zum Teil mehr als 100 Namen für halb-anonyme Urnengräberfelder machen einen wachsenden Anteil ihrer Arbeit aus.

"Wer ihn will, bekommt ihn", sagt Steinmetz-Meister Frank Bartels (42) aus Stade. QR-Codes auf Grabsteinen sind für ihn eine weitere Facette des Individualisierungs-Trends bei der jüngeren Generation, vergleichbar mit den auf den Toten individuell zugeschnittenen Trauerfeiern.

Für einen insgesamt toleranten Umgang mit moderner Grabgestaltung spricht sich der Chef des kirchlichen Stader Horst-Friedhofes, Verwalter Helmut Engelbrecht (58), aus. Mit QR-Codes habe er keine Probleme, "sofern Sittlichkeit und Respekt vor dem christlichen Glauben sichergestellt sind." Für eine Reihe jüngst mit Stiftungsgeld restaurierter historischer Grabsteine von verblichenen Stader Persönlichkeiten auf dem Horst-Friedhof kann sich Engelbrecht vertiefende Infos im Netz gut vorstellen.

Ganz und gar unbekümmert geht man in den USA und Japan mit dem Thema "digitale Trauer" um: Dort gibt es die ersten virtuellen Friedhöfe mit der Möglichkeit, sich in Online-Kondolenzlisten einzutragen und per Mausklick Kränze niederzulegen.