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Discounter-Notstand in Stade

Uwe Kowald (re.) und Heiko Reinboth bieten nach der Schließung des kleinen Aldi in der Stader Altstadt nun einen kostenlosen Einkaufsservice für Senioren und Gehbehinderte an. Zwei, die den Dienst in Anspruch nehmen wollen, sind die Rentnerinnen Inge Redmann (li.) und Anita Brandenburg
 
„Wir brauchen diesen Laden“: Altländer Viertel-Bewohner Maik Peters vor dem Lidl, der im Juni schließt

Lidl im Altländer Viertel macht dicht / Nach Aldi-Schließung: Gratis-Einkaufsdienst

tp. Stade. In zwei Stadtteilen von Stade klagen Bürger über einen Discounter-Notstand: Der Lidl-Markt an der Altländer Straße am Rand des Multi-Kulti-Quartiers Altländer Viertel macht dicht. Bereits im Dezember schloss der kleine Aldi-Markt an der Beguinenstraße in der Altstadt. Das fehlende Angebot trifft besonders Senioren und Gehbehinderte sowie Menschen ohne Auto.
Zumindest für Bewohner der City entspannt sich die Lage. Der vielfach ehrenamtlich engagierte Frührentner Uwe Kowald (48), Vorsitzender der Rheumaliga Stade, bietet einen Gratis-Einkaufsservice für Menschen mit Handicap und Senioren an. Bei seinen regelmäßigen Rheumaliga-Sprechzeiten im sozialen Café „Schöne Zeit“ in der Stadtmitte erfuhr er von den Auswirkungen der Aldi-Schließung für Alte und Kranke. „Ihnen fehlt ein zu erreichbares Geschäft mit einem Angebot an günstigen Milch- und Frischwaren“, sagt Kowald. Für viele Kunden mit Gehhilfe oder Rollator sei der Weg zu zur nächsten Alternative, „Kaufland“ am nordwestlichen Rand der Altstadt, zu weit und wegen steiler Bürgersteige schlecht erreichbar. In der Not würden viele Betroffene nun Joghurt im Reformhaus, Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt kaufen. „Das sprengt auf Dauer das Budget gerade von alten Menschen mit schmaler Rente“, sagt Kowald. Nun schafft der Mann mit dem sozialen Gewissen Abhilfe: Gemeinsam mit Heiko Reinboth (43, Fußball-Obmann TuSV Bützfleth), mit dem er im Rahmen der Aktion „Fair geht vor“ für ein Generationen übergreifendes faires Miteinander eintritt, bietet er nun einen kostenlosen Einkaufsservice an. Ausgeliefert wird ab 10. Mai jeden Freitag. Kontakt: Tel. 0173 – 4386161 (Uwe Kowald).
Mit Bestürzung hat Hartz IV-Empfänger Maik Peters (50) auf die Nachricht von der bevorstehenden Schließung des Lidl reagiert. „Auf die Viertelbewohner kommt eine harte Zeit zu, denn eigentlich brauchen wir diesen Laden“, sagt er. Nach Peters' Beobachtungen gehören viele Menschen, die von Transferleistungen leben und daher wenig Einkommen haben und oftmals über kein Auto verfügen, zu den Lidl-Stammkunden. In fußläufiger Entfernung gibt es für die Stadtteilbewohner nur einen türkischen Lebensmittelladen im Altländer Viertel und einen Rewe-Markt. „Beide sind auf Dauer zu teuer“, so Peters.
Doch die Quartiersbewohner müssen sich mit der neuen Situation abfinden. Laut einer Lidl-Sprecherin plant die Discounterkette, die Filiale an der Altländer Straße Anfang Juni zu schließen. Der Konzern gibt dafür betriebswirtschaftliche Gründe an. Der Laden sei zu klein und erfülle nicht mehr die Qualitätsstandards moderner Märkte mit Back-Shop sowie ansprechender Obst- und Gemüsepräsentation. Gerüchten zufolge sollen zudem hohe Diebstahlschäden in dieser Filiale zu dem Entschluss beigetragen haben. Die rund 15 Mitarbeiter werden von den zwei verbliebenen Lidl-Märkten in Stade übernommen.
Zwischenzeitlich ist mit dem geplanten Aldi auf dem Ex-Museumsareal an der Freiburger Straße ein weiteres Discounter-Vorhaben ins Stocken geraten. Nachdem der Investor mit einer Autohaus-Kette Insolvenz angemeldet hatte (das WOCHENBLATT berichtete), trat die Stadt Stade von der Absicht zurück, an ihn das Grundstück zu verkaufen.