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Ein Asylsuchender als Azubi?

Ali Hemedi gehört zu den wenigen Flüchtlingen im Landkreis, die eine Ausbildung machen (Foto: am)
Die Zahl der Betriebe im Landkreis, die Asylbewerber ausbilden ist klein, die Nachfrage steigt

am. Stade. Die Regierung spricht von den Asylsuchenden als Chance für den deutschen Arbeitsmarkt. Neben den unbesetzten Ausbildungsplätzen plagt auch der Fachkräftemangel die Wirtschaft. Das neue Ausbildungsjahr hat gerade begonnen. Wie sieht es denn im Landkreis Stade aus? Das WOCHENBLATT hat einen jungen Mann aus Syrien besucht, der soeben eine Ausbildung zum Pflegeassistenten begonnen hat.
Ali Hemidi* ist seit drei Monaten in Deutschland. Seit Oktober lernt er mit anderen Schülern an der BBS III in Stade den Beruf des Pflegeassistenten. Drei Tage in der Woche ist er an der Schule, zwei Tage betreut er Menschen im Alten- und Pflegeheim Katharinenhof, hilft den Bewohnern bei der Mobilisierung, beim Essen und Anziehen. In seiner Heimat Syrien hat er bereits eine dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht. Jetzt fehlt ihm das Anerkennungsjahr, das er mit der Ausbildung in Deutschland absolvieren kann.
Seine pflegerischen Kenntnisse werden in dem Altenheim schon jetzt sehr geschätzt. "Fachlich weiß er alles, da brauchen wir ihm nichts zu erzählen", sagt Einrichtungsleiterin Annika Bleck, "was ihm fehlt, sind die deutschen Fachbegriffe." Nach 14 Tagen Praktikum waren sich Bleck und ihre Mitarbeiterin Wencke Delekat einig, dass sie den jungen Mann aus Syrien einstellen möchten. "Er ist emphatisch, freundlich und so selbstverständlich", sagt Delekat, "die Bewohner mögen ihn sehr gern."
Ein positives Beispiel, das vielleicht Schule machen könnte. Zahlen dazu, wie viele Asylbewerber im Landkreis bereits eine Ausbildung begonnen haben, gibt es nicht. Viele sind es aber nicht. "Das sind noch Einzelfälle", sagt Susanne Serbest, Pressesprecherin der Arge. Auch sie sieht die einwandernden Menschen als Chance für den Markt. Im August waren insgesamt 198 Ausbildungsplätze unbesetzt und die Tendenz ist seit Jahren steigend. "Heute wird es für die Firmen immer schwieriger Auszubildende zu finden." Die am häufigsten unbesetzten Ausbildungsberufe sind vor allem Verkäufer, Kaufmann im Einzelhandel und Bäckereifachverkäufer.
Die Regierung hat die Bedingungen für den Arbeitseinstieg für Asylsuchende erleichtert. Und so ist eine Ausbildung für die Flüchtlinge eine Chance. "Wer eine Ausbildung antritt und das erste Jahr schafft, der hat Bleiberecht bis zur Beendigung der Ausbildung", sagt Nicole Streits, Dezernentin beim Landkreis Stade. Eine Ausbildung muss nicht von der Ausländerbehörde genehmigt werden. Nach Abschluss der Ausbildung haben die Auszubildenden die Chance auf eine befristete Aufenthaltserlaubnis.
Ali Hemidi gehört zu den Wenigen im Landkreis, der eine Ausbildung gefunden hat. "Ich bin sehr froh, arbeiten zu dürfen", sagt er in gebrochenem Englisch, "und, dass ich eine Beschäftigung habe und nicht zu Hause sitzen muss." Der Katharinenhof hat die sprachliche Barriere, die in den meisten Fällen die größte Hürde darstellt, nicht gescheut.
• Die Bundesagentur für Arbeit hat eine Broschüre für Arbeitgeber "Potenziale nutzen - geflüchtete Menschen einstellen" herausgegeben. Diese ist auf der Seite der Arge erhältlich.
*Name von der Redaktion geändert