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Ein "Büdel" voller Erinnerungen

Pause in Pisa (Foto: Höft)
bc. Stade. Julian Höft ist anders als viele seiner Altersgenossen. Er ist 21 Jahre alt und besitzt kein Handy. Außergewöhnlich! Noch beeindruckender ist aber der Grund für sein Smartphone-loses Dasein. Der Stader Jung, gelernter Bauklempner, befindet sich seit fast drei Jahren als Geselle auf Wanderschaft: Deutschland, Schweiz, Italien, Frankreich, Australien. Ende April kommt er heim. Mit einem Büdel voller Erinnerungen.

Ohne Geld für ein Ticket zu bezahlen, trampte Julian durch die Weltgeschichte - seine wenigen Habseligkeiten verstaut in einem „Charlottenburger“, einem kleinen bedruckten Leinentuch.

Julian lebte von der Hand in den Mund, arbeitete in unzähligen Jobs, teilweise für ortsüblichen Tariflohn, teilweise ehrenamtlich für Kost und Logie.

„Ich habe gut und viel gearbeitet“, erzählt er. Übrig ist dennoch wenig geblieben. „Für viele meiner Freunde wäre das nichts“, sagt er. Er nennt ein Beispiel: „Es kommt vor, dass man im Restaurant nachfragen muss, ob sie Essensreste abgeben können. Wenn sie es nicht machen, hungert man schon mal.“

Highlight war der Trip nach Sydney. Flugtickets nach Übersee sind übrigens die einzigen Tickets, die sich Wandergesellen kaufen dürfen. Den Jahreswechsel 2013/14 verbrachte Julian in Downunder, bei 40 Grad im Schatten. Seine Kluft durfte er gemäß Tradition trotzdem nicht ablegen.

Böse endete ein Job bei einem Festival im schweizerischen Oberrieden, bei dem er sich das Knie zertrümmerte. Fast ein halbes Jahr war er krankgeschrieben, erholte sich auf der Burg Ludwigstein bei Witzenhausen, wo er zuvor bereits einmal gearbeitet hatte. Glück im Unglück: In der Zeit lernte Julian seine Freundin Annika kennen.

Auf seine Heimgehparty am 24. April mit 50 Freunden und anderen Wandergesellen freut er sich jetzt schon: „Dann wird drei Tage lang in Stade durchgefeiert.“