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Ein Flaggschiff wird versenkt - Aus für plattdeutsches Prestige-Projekt: Nach 25 Jahren wird "Theater auf dem Flett" eingestellt

Lange Gesichter gab es bei den Schauspielern, als sie von der Hiobsbotschaft hörten: Für das "Theater auf dem Flett" ist der Vorhang für immer gefallen (Foto: Landschaftsverband Stade)
jd. Stade. Das Aus kommt für viele überraschend - und dazu noch im Jubiläumsjahr: Nach 25 Jahren beendet der Landschaftsverband Stade das niederdeutsche Bühnenprojekt "Theater auf dem Flett". Dass ausgerechnet das Flaggschiff der Plattdeutsch-Szene zwischen Elbe und Weser versenkt wird, hat kaum jemand erwartet. "Für solch eine Entscheidung ist jeder Zeitpunkt der falsche Moment", erklärt Landschaftsverbands-Geschäftsführer Dr. Hans-Eckhard Dannenberg: "Die Kosten waren einfach zu hoch." Zuletzt musste der Verband jährlich rund 40.000 Euro für das Theater-Projekt aufbringen.

"Ich bin schockiert über diese Nachricht", sagt Hans-Jürgen Fitschen. Der Ex-Vorstandschef des Kreissparkasse Stade gehört zu den "Vätern" des Flett-Theaters, das jeweils in den Herbstmonaten auf Tournee durch das Elbe-Weser-Dreieck ging und vorwiegend auf dem Flett (offene Herdstelle) der historischen Heimathäuser spielte. Dieses "Kind" habe ihm besonders am Herzen gelegen, bekennt Fitschen, der sich landesweit für die Pflege der niederdeutschen Sprache engagiert.

Fitschen will Chancen ausloten, das Theaterprojekt am Leben zu erhalten: "Wenn es tatsächlich nur ums Geld gehen sollte, wäre sicher eine Lösung zu finden." Nach WOCHENBLATT-Informationen sollen die Finanzen aber nicht das einzige Problem sein. Zwar waren die monatelangen Proben und die anschließenden Aufführungen als Fortbildungen für Hobby-Darsteller von den örtlichen Laien-Bühnen konzipiert. Doch die Nachfrage war oft so gering, dass der Landschaftsverband wiederholt auf die bisherigen Akteure zurückgreifen musste, um die Rollen zu besetzen. So wirkten einige Darsteller über Jahre in den Ensembles mit.

"Das kann nicht der Sinn der Sache sein", meint auch Fitschen. Es habe immer Schwierigkeiten gegeben, die Theatergruppen vor Ort einzubinden und von dort Neulinge zu rekrutieren. Hinzu kam die manchmal eher schlechte Resonanz beim Publikum: "Die Zuschauer erwarten Bauernschwänke, die ins Ambiente der Heimathäuser passen und keine hochtrabenden Inszenierungen, wie sie es sie zuletzt gab", sagt einer der Gastgeber von den örtlichen Heimatvereinen.

Möglicherweise wurde das Fass jetzt durch die Auswahl der zwei Stücke für das Jubiläumsjahr zum Überlaufen gebracht. Ins Niederdeutsche übertragene Shakespeare-Sonette und ein düsteres Stück des existentialistischen Philosophen Albert Camus sollen laut Kritikern eine zu schwere Kost für das Publikum gewesen sein. Ein Beispiel ist Beckdorf: Bei der Premiere im "Beekhoff" war der Zuschauerraum noch gut gefüllt. Danach sprach sich im Dorf offenbar schnell herum, dass sich der Theaterbesuch nicht lohne: Zu den folgenden Aufführungen kamen nur noch halb so viel Besucher.

Der Landschaftsverband wolle jetzt den Blick nach vorn richten, so Dannenberg: "Es wird weiterhin plattdeutsche Theaterprojekte geben. Wir werden unsere Mittel jetzt nur breiter streuen und mehr Geld für Seminare und kleinere Theater-Formate verwenden."