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Ein herber Service-Verlust in Stade

Meral Demirtas (li.) und ihre Freundin Rukiye Aytak reisten zum Schnäppchenmarkt aus Hamburg-Neuwiedenthal an

Lidl-Markt an der Altländer Straße in Stade geschlossen / Run auf Schnäppchen beim Ausverkauf

tp. Stade. Am Ladeneingang des Lidl-Discountmarktes herrschte schon vor Geschäftseröffnung dichtes Gedränge und der Großparkplatz stieß an seine Kapazitätsgrenze: Mit einem Schnäppchenmarkt verabschiedete sich der Lidl-Konzern am vergangenen Freitag und Samstag an seinem Standort an der Altläder Straße in Stade von seinen Kunden. Für die Bewohner des Multi-Kulti-Quartiers Altländer Viertel bedeutet das einen herben Service-Verlust bei der Nahversorgung: Die Lidl-Filiale war für sie der einzige zu Fuß gut erreichbare Lebensmittel-Discounter.
Melanie Bauer (24) und Paul Brull (24), die im Altländer Viertel wohnen, stürzten sich zum Ausverkauf in das Kunden-Gewühl, das von uniformierten Security-Männern überwacht wurde. Zum halben Preis à je zehn Euro sicherte sich das Pärchen ein Knappes Dutzend Pakete Holzfliesen für ihren Balkon. Paul Brull ist ein Vollblut-Lidl-Fan und bedauert die Schließung: „Um zum nächsten Lidl-Markt an der Harburger Straße zu gelangen, muss ich künftig das Auto benutzen.“ Nach der anstrengenden Schnäppchenjagd stärkten sich Melanie Bauer und Paul Brull mit einer Bratwurst zum Niedrigpreis.
Meral Demirtas (37) und ihre Freundin Rukiye Aytak (42) waren extra aus Hamburg-Neuwiedenthal angereist, um sich mit Textilien, Toastern und Kaffeemaschinen im Chrom-Look zum Super-Sonderangebotspreis einzudecken. Wie bei den meisten anderen Kunden, war auch ihr Einkaufwagen bis zum Rand vollgepackt.
Wie das WOCHENBLATT berichtete, hatte der Lidl-Konzern vor wenigen Wochen überraschend die Schließung der Filiale angekündigt und den Schritt unter anderem damit begründet, dass der Markt nicht mehr zeitgemäß sei. Es mangele an einer modernen Frische-Abteilung sowie an einem Back-Shop. Insgesamt sei die Ladenfläche zu klein, so eine Lidl-Sprecherin. Gerüchten zufolge soll eine hohe Diebstahl-Quote ein weiterer Grund für die Schließung sein.
Auch zum Schnäppchen-Schlussverkauf hatten wieder einige Lidl-Kunden ihren Einkaufswagen bis zu den Wohnblocks ins Altländer Viertel „entführt“.
• Nachdem bereits im Dezember der kleine Aldi-Markt am Rand der Altstadt geschlossen hatte, rief Uwe Kowald, Chef der Rheuma-Liga Stade, in der Innenstadt den „Discounter-Notstand“ aus und gründete einen einen Gratis-Einkaufsservice für Menschen mit Behinderungen und Senioren. Ausgeliefert wird jeden Freitag. Tel. 0173 - 4386161 (Uwe Kowald).