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"Ein Hund, der beißt, wird es wieder tun"

Zu Hause zahm, doch draußen unberechenbar: Pluto wurde eingeschläfert (Foto: Schromm privat)
 
Günter Stelling und Bärbel Schromm - hier mit der zahmen englischen Bulldogge Liese - nehmen in ihrem Haus Hunde und andere Pflegetiere auf

Tierfreundin warnt Behörde vor Stader "Kampfhund"

tp. Hollern-Twielenfleth. Die Tierschützer Bärbel Schromm (67) und Günter Stelling (66) aus Hollern-Twielenfleth kennen Licht und Schatten der Hundehaltung: Das Paar nahm schon viele Vierbeiner zur Pflege in sein Haus auf und gab sie an neue Halter weiter. Doch die beiden räumen ein, sich im guten Willen einem Hund zu helfen, jetzt "zu viel aufgebürdet" zu haben: Wegen gefährlicher Beißattacken gegen andere Hunde und gegen einen Menschen und infolgedessen Schwierigkeiten mit den Behörden und Nachbarn ließen sie kürzlich ihren Rüden Pluto (7†) einschläfern. Angesichts der jüngsten, aus ihrer Warte ähnlich gelagerten Vorfälle, bei denen ein sogenannter Kampfhund in Stade Passanten und kleine Hunde anfiel, mahnen Schromm und Stelling das Stader Kreis-Veterinäramt, härter durchzugreifen.

Wie das WOCHENBLATT in dem Artikel "Kampfhund-Panik im Stader Wohngebiet" berichtete, biss ein American-Stafforshire-Terrier-Mix am "Hohenwedel" Menschen und kleinere Artgenossen. Bei einem unangekündigten Besuch begutachtete die Kreis-Veterinärin Dr. Sibylle Witthöft den Hund im Kreis der Halter-Familie und stufte ihn vorerst als "nicht gefährlichen Hund" ein. Zwar verhängte das städtische Ordnungsamt einen Leinen- und Maulkorbzwang, doch weitere Sanktionen durch die Ämter blieben bislang aus. Überdies meldeten Zeugen, dass der Hund wieder ohne Maulkorb gesehen wurde.

"Ein Hund der einmal beißt, wird es immer wieder tun", ist Bärbel Schromm überzeugt und stützt sich dabei auf die Einschätzung eines ihr bekannten Fachanwaltes für Tierrecht und verweist in diesem Zusammenhang auch auf ihren Alano-Mischlingsrüden Pluto. Der Hund habe sich in vertrauter Umgebung gegenüber bekannten Menschen und Tieren sanft und zutraulich verhalten, draußen aber andere Hunde angegriffen und einem fremden Mann schwere Bisswunden zugefügt.

Der 40 Kilo schwere Pluto wurde vom Stader Kreis-Veterinäramt als "gefährlicher Hund" eingestuft. Das Amt erteilte eine gesonderte Halteerlaubnis nach dem „Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden“. Das Gesetzt verzichtet auf eine Rasseliste und auf den Begriff Kampfhund, macht aber strenge Vorgaben für gefährliche Hunde: Pluto wurde einem Wesenstest unterzogen. Bärbel Schromm musste den sogenannten Hundeführerschein machen und eine Sachkundeprüfung ablegen. Um den Hundeauslauf in ihrem Garten ließ sie einen hohen Zaun errichten. Doch nicht zuletzt wegen des wachsenden Drucks besorgter Nachbarn, die sich in der Umgebung des Hundes nicht mehr sicher fühlten, ließ sie Pluto im September schweren Herzens einschläfern.

Angesichts der leidvollen Erfahrung mit Pluto mahnt Schramm die Behörden zu schärferen Sanktionen gegen den Halter des berüchtigten American-Staffordshire-Terrier-Mischlings aus Stade. Maulkörbe und Leinen hält sie überdies für nur bedingt sicher: Hunde könnten sich durch den Schutz durchbeißen oder von der Vorrichtung losreißen.

Kreis-Veterinärin Witthöft will sich die gebotene Einzelfallbetrachtung vorbehalten. Dies sei auch Pluto zuteil geworden, der erst nach mehreren Begutachtungen als gefährlich eingestuft worden sei.

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