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Ein Missverständnis führt fast zum Tod

Reinhild Fritsch und Heinrich Hammann sorgen sich um ihren Freund
Krankenwagen kommt erst mit Unterstützung der Polizei

at. Landkreis. Als die Schmerzen unerträglich wurden, rief Heinrich Hammann (51) am Samstagabend einen Krankenwagen für seinen schwerkranken Freund in Freiburg. Doch die Rettungsleitstelle in Stade-Wiepenkathen wies ihn ab. Der Grund: Hammann hatte eine falsche Telefonnummer gewählt und die Situation angeblich falsch geschildert. Ein Missverständnis, das fast zum Tod führte.
Der Bekannte von Heinrich Hammann befindet sich seit August wegen einer chronischen Entzündung im Bauchraum in ärztlicher Behandlung, lag er deswegen auch schon im Krankenhaus. Hammann, der früher Rettungssanitäter war, und seine Lebensgefährtin Reinhild Fritsch (53) kümmern sich seit der Erkrankung um den Mann. Dessen Zustand verschlechterte sich am Samstagabend so sehr, dass Hammann den Notdienst alarmierte.
Um Hilfe zu holen, wählte er aber nicht die 112, sondern die direkte Nummer der Leitstelle in Stade-Wiepenkathen. Seine Begründung: "Wenn wir mit dem Handy die 112 wählen, landen wir in einer Leitstelle in Schleswig-Holstein", erklärt Hammann. Um keine Zeit zu verlieren, wählte er also die 04141- 19222. Das Problem: Diese Nummer führt zwar in die Leitstelle, wird aber für die Anmeldung von Krankentransporten genutzt. Voraussetzung dafür ist die Überweisung eines Arztes. Als klar war, dass diese nicht vorliegt, habe der Disponent eine Zuständigkeit abgelehnt und entschieden, es läge kein Notfall vor - ein Krankenwagen komme nicht. Hammann aufgebracht: "Wir benötigten dringend Hilfe, und er hat uns einfach stehen gelassen."
Daraufhin rief er unter 110 die Polizei an. Die Beamten alarmierten den Krankenwagen, der den Mann schließlich in die Notaufnahme brachte. Nach einer Not-OP liegt er im künstlichen Koma.
Aus Sicht des Landkreises, so ergab eine Nachfrage des WOCHENBLATT, habe sich der Disponent nicht falsch verhalten. Heinrich Hammann habe die Notsituation nicht richtig beschrieben, hieß es.
Der Landkreis verweist im Fall des kranken Mannes aus Freiburg auf das Gesprächsprotokoll, das der Behörde vorliegt. Daraus gehe laut Pressesprecher Christian Schmidt hervor, dass Heinrich Hammann für seinen kranken Freund einen Krankenwagen rief, weil dieser an einem fieberhaften Infekt leide. "Das ist kein Notfall", sagt Schmidt. Eine Notsituation sei nicht erkennbar gewesen. Der Disponent in der Leitstelle habe also absolut richtig entschieden. Schmidt: "Der Rettungswagen darf nur ausrücken, wenn der Zustand einer Person lebensbedrohlich ist."
In dieser Situation ist der kassenärztliche Notdienst der richtige Ansprechpartner. "Ein Arzt sollte diese Situation vor Ort bewerten und im Zweifel einen Krankenwagen rufen", so Schmidt.
Heinrich Hammann und seine Lebensgefährtin hätten auch versucht, über den kassenärztichen Notdienst einen niedergelassenen Arzt zu erreichen, sagten sie gegenüber dem WOCHENBLATT. Allerdings habe die Suche zu viel Zeit in Anspruch genommen. Sie hätten sich gewünscht, dass schnell gehandelt wird. "Der Zustand meines Bekannten hat sich immer weiter verschlechtert, wir brauchten Hilfe", sagte Hammann.
Doch welche Nummer muss im Notfall gewählt werden?
Die Notrufnummer des Rettungsdienstes ist die 112. In einer lebensbedrohlichen Situation immer auf den Notfall hinweisen, sagt Christian Schmidt.
Bei Anrufen mit dem Handy aus sogenannten Randgebieten, wie auch im vorliegenden Fall, kann es sein, dass eine nicht zuständige Rettungswache angewählt wird. Die Disponenten in der Wache würden bei den Anrufern nachfragen, wo der Notfall vorliege und sofort an die zuständige Dienststelle weiter vermitteln, so Christian Schmidt. "Das geht innerhalb von zehn Sekunden." Eine entsprechende Absprache mit allen Landkreisen sorge für Sicherheit. Schmidt weist darauf hin, dass es auch auf den Anbieter des Handynetzes ankomme.
Für Heinrich Hammann reicht die Erklärung nicht, er hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen den Rettungsleitstellen-Disponenten in Stade-Wiepenkathen wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet.

Die richtige Notrufnummer für jeden Notfall:

Notruf 110 - Polizeinotruf
Notruf 112 - Notruf des Rettungsdienstes
04141 - 19222 - Anmeldung von Krankentransporten, wenn eine ärztliche Versorgung vorliegt
116117 - Telefonnummer des kassenärztlichen Notdienstes (ohne Vorwahl erreichbar), außerhalb der Sprechstundenzeiten
Reinhild Fritsch und Heinrich Hammann sorgen sich um ihren Freund