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Ein Zuhause in der Ferne

Phiel Dionne M. Dumasig (v. li.), Kerstin Schefe, Paul Simmon B. Solinar, Rico Perfecto Realubit und Samson T. Castillo waren zu Besuch in der "Oase" und machten Musik.
at. Stade-Bützfleth. "Es sind die kleinen Dinge, die die Arbeit in der Seemannsmission ausmachen", sagt Seefahrt-Diakonin Kerstin Schefe. Sie leitet den Club "Oase" in Bützfleth, der zur Deutschen Seemannsmission Hannover gehört. Das Wichtigste für sie: "Den Seefahrern einen warmen Empfang im Hafen bereiten." Die Männer sind mindestens neun Monate auf dem Schiff unterwegs. Der Aufenthalt in jedem Hafen ist zwischen sechs Stunden und zwei Tage. Zum Seemannsclub brauchen die Männer nur einen kurzen Fußmarsch auf sich zunehmen: 800 Meter liegen zwischen der "Oase" und dem Hafen in Bützfleth.
Im vergangenen Jahr legten 4.600 Seefahrer diesen Weg zurück, das sind 300 mehr als im Jahr davor (das WOCHENBLATT berichtete).
"Ich versuche immer Besonderheiten zu schaffen, die den Alltag unterbrechen", sagt sie. Die Gäste surfen kostenlos im Internet, suchen sich aus einem Regal Secondhand-Kleidung oder telefonieren mit ihren Familien. Das ist auch das erste, was Seefahrer Paul Simmon Solinar macht, denn seine Frau ist schwanger. Er stammt von den Philippinen, so wie rund 60 Prozent der Gäste in der "Oase". Er bleibt nur für eine Nacht und zwei Tage in Stade. "Wir erfahren erst in der nächsten Woche, ob es ein Mädchen oder Junge wird", sagt er auf Englisch. Er ist zum ersten Mal in Deutschland. "Ich habe meinen Vorgesetzten einige Male gefragt, dann hat er schließlich Ja gesagt. Jetzt genieße ich die Zeit."
Indonesier, Chinesen und Inder gehören ebenfalls zu den häufigsten Besuchern in der "Oase". In einem Raum des Clubs sind Instrumente aufgestellt. "Sie sind sehr beliebt, besonders die Trommeln", weiß Kerstin Schefe. "Oft fangen die Gäste einfach an, darauf zu spielen und haben Spaß."
Die Seefahrt-Diakonin ist nicht nur für gute Laune zuständig, sie ist auch da, wenn Seefahrer Probleme besprechen wollen. Die haben häufig familiäre Hintergründe. Besonders die emotionalen Fälle bleiben ihr lange im Gedächtnis. Die Diakonin erinnert sich: "Ein Mann aus Indonesien hatte alles durch einen Taifun verloren, seine Familie überlebte die Katastrophe aber." Der Mann schickte Kleiderspenden nach Hause. "Er war so dankbar, das hat mich sehr bewegt." Ob die Unterhaltungen anders sind, weil sie eine Frau ist? "Ja, sicherlich. Die Männer sprechen bei unseren Treffen oft über Gefühle", sagt die junge Frau.
Einige Gäste begleitet sie auch über Monate, andere nur während der Zeit, die sie im Bützflether Hafen liegen. "Manchmal kann ich die Männer nur ein kleines Stück begleiten, dann fahren sie wieder in einen anderen Hafen." Das sei eben auch Teil ihrer Arbeit. "Die ist eben was ganz besonders: Die Welt kommt zu uns."