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Eine Grundschule für die Elite?

Basierend auf christlichem Selbstverständnis verfolgt der Evangelische Bildungsverein Stade ein eigenes reformpädagogisches Konzept für die neue Schule (Foto: Foto: Fotolia/© ra2 studio)
bc. Stade. Die Planungen für eine christliche Privatschule in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe in Stade haben Fahrt aufgenommen. Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD), Träger der Grundschule, hat Ende vergangenen Jahres einen Antrag bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde auf Genehmigung der „CJD Christopherusschule Stade“ gestellt. Vorbehaltlich der Genehmigung könnte die Schule zum 1. August 2015 den Betrieb aufnehmen - zunächst mit einem ersten Jahrgang von ca. 20 Kindern.

Initiator des Projekts ist der Evangelische Bildungsverein Stade. Wie berichtet, planen die Ideengeber um den Vereinsvorsitzenden Wolf von der Wense bereits seit vier Jahren an der Umsetzung. „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist, dass es in diesem Jahr klappen könnte. Aber die Ergebnisse des Prüfungsverfahren sind nicht abzusehen“, sagt von der Wense.

Die Pläne des Vereins waren bereits öffentlich in die Kritik geraten. Eine Eliteschule für leistungsstarke Kinder besser verdienender Eltern brauche Stade nicht, wird Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD) zitiert. Grünen-Kreistagsabgeordneter Ulrich Hemke stellte kürzlich eine Anfrage im Kreisausschuss. Darin schreibt er: „Nicht zuletzt durch die Anti-Islam-Demonstrationen von Pegida stellt sich die Frage, ob eine konfessionelle Schule die richtige Antwort ist.“

Die Idee des Bildungsvereins ist es, die Schullandschaft um einen pädagogischen Ansatz zu bereichern. Das Modell wird auf der Vereinshomepage erläutert: Ab dem zweiten Schuljahr sollen die Kinder altersübergreifend unterrichtet werden. Die Vermittlung der Lerninhalte soll durch interdisziplinär aufgestellte Teams zweier Betreuungskräfte erfolgen. Frontalunterricht werde es nicht geben. Die Kinder werden ganztags von 8 bis 16 Uhr betreut.

Wörtlich heißt es auf der Internetseite: „Basierend auf unserem christlichen Selbstverständnis verfolgen wir ein eigenes reformpädagogisches Konzept, das wir das Stader Modell nennen.“ Das Stader Modell basiere auf einer liebevollen Gestaltung des Schulalltags entsprechend der kindlichen Bedürfnisse. „Wir legen Wert auf das selbständige, entdeckende Lernen der Kinder und möchten unsere Schülerinnen und Schüler besonders in ihrer musisch-künstlerischen und sportlichen Entfaltung fördern.“

Dass die Schule tatsächlich schon in diesem Jahr eröffnet werden kann, bezweifelt Matthias Tetzlaff, CJD-Gesamtleiter im Bereich Niedersachsen Nord-West. Zunächst müsse die Refinanzierung angesichts der behördlichen Auflagen geklärt sein. So dürfe z.B. das Schulgeld pro Kind nicht mehr als 200 Euro pro Monat betragen. Außerdem müsse es eine Sozialstaffelung bei den Beiträgen geben. Auch besondere Anforderungen hinsichtlich der Inklusion seien zu erfüllen. Ende März wolle der CJD-Vorstand eine Grundsatzentscheidung treffen, so Tetzlaff. „Ich persönlich rechne nicht damit, dass es 2015 losgehen kann. Das Projekt muss sich wirtschaftlich rechnen.“

Zum Hintergrund: In den ersten drei Jahren nach Gründung der Schule muss der Träger „CJD“ ohne staatliche Zuschüsse auskommen. Erst danach erhalte die Privatschule eine Pauschale pro Kind pro Jahr.

Die Vorwürfe, in Stade entstehe eine Eliteschule für Reiche, hält Matthias Tetzlaff für ungerechtfertigt: „Diese Schule wird für alle Kinder offen stehen. Insbesondere auch für Kinder mit Förderbedarf.“

Ulrich Hemke befürchtet dennoch, dass mit Genehmigung einer weiteren Privatschule Separierungstendenzen wohlhabender Bürgern gefördert werden: „Es ist ein weiterer Schritt, dass die Gesellschaft auseinander driftet.“