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Eine Institution aus dem Mittelalter: Die "Landschaft der Herzogtümer Bremen und Verden" ist älter als alle Parlamente

Landschafts-Direktor Hans-Eckhard Dannenberg erläutert an der Schautafel, wie das Gremium besetzt ist
 
In der Urkunde aus dem Jahr 1397 werden die Rechte der Ritterschaft garantiert (Foto: Staatsarchiv Bremen)
jd. Stade. Im September finden in Niedersachsen Kommunalwahlen statt. Demokratische Gremien wie die Gemeinderäte sind in der Landesverfassung verankert. Unter deren Schutz stehen aber auch Institutionen, die wesentlich älter als alle Parlamente sind und auf dem feudalen Ständewesen beruhen: die sogenannten Landschaften. Im Elbe-Weser-Dreieck ist es die "Landschaft der Herzogtümer Bremen und Verden".

"Die Landschaft ist heute eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und fördert vor allem historische Projekte", berichtet deren Direktor Dr. Hans-Eckhard Dannenberg. Er ist zugleich Geschäftsführer des für seine vielfältigen kulturellen Aktivitäten bekannten Landschaftsverbandes Stade, der vor mehr als 50 Jahren auf Initiative der Landschaft gegründet wurde. Außerdem gehört die Landschaft zu den Trägern des Versicherungsunternehmens VGH.

Als "Geburtsurkunde" der Landschaft gilt ein Vertrag aus dem Jahr 1397. Damals ließ sich der Landadel seine Rechte durch den Landesherrn, den Bremer Erzbischof, verbriefen. In der Urkunde sicherten sich die Vertragspartner - darunter auch die Städte und Landgemeinden - gegenseitigen Beistand zu. Laut dem Bremer Recht bildeten die Besitzer der Rittergüter zwischen Elbe und Weser die "Ritterschaft des Herzogtums Bremen". Diese besteht noch heute und hat ihren Sitz in Stade. Derzeit gibt es 35 "Ritter", die einen Gutshof bewirtschaften.

Die Landesherren wechselten - nach den Bremer Erzbischöfen regierten nacheinander die schwedischen, hannoverschen und preußischen Könige -, doch die Landschaft blieb bestehen. Gemäß der zuletzt 1865 überarbeiteten Verfassung, die immer noch gültig ist, wird die Landschaft von drei Säulen getragen: den sogenannten Kurien. Die erste Kurie bildet die Ritterschaft. Die zweite Kurie besteht aus Abgesandten der Städte und Marktflecken und in der dritten Kurie sitzt das "platte Land" - heute vertreten durch die Landkreise.

Seit dem Mittelalter tritt einmal im Jahr der Landtag zusammen. Neuer Landschafts-Präsident ist seit dem 1. Januar Botho von Schwarzkopf vom Gut Poggemühlen (Kreis Rotenburg). Als eine der Abgeordneten der zweiten Kurie nimmt Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber an den Landtagen teil. "Dort wird vornehmlich über Projekte beraten, die von der Landschaft finanziell unterstützt werden", berichtet die Politikerin.

Als Beispiel nennt sie die naturnahe Gestaltung von Kita-Spielplätzen. Auch wenn die Einrichtung an sich etwas antiquiert erscheint, hält Nieber es für sinnvoll, diese zu erhalten: "Historisch gewachsene Traditionen werden hier auf besondere Weise mit Aufgaben verbunden, die unsere heutige Zeit mit sich bringt."



Die Vertreter des Kreises und der Städte



Anfang 2016 beginnt eine neue, fünfjährige Wahlperiode für die Bremen-Verdensche Landschaft. Daher bestimmten kürzlich die Städte im Landkreis sowie der Kreistag diejenigen Vertreter, die neben der Ritterschaft in der zweiten bzw. dritten Kurie der Landschaft sitzen.

Stade entsendet Bürgermeisterin Silvia Nieber und Karsten Behr, Buxtehude ebenfalls die Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt und außerdem Christel Lemm. Horneburg muss sich das Mandat mit Freiburg und Neuhaus (Kreis Cuxhaven) teilen. In dieser Wahlperiode hat Neuhaus das Recht, einen Vertreter zu benennen. Den Stellvertreterposten hat Horneburgs Bürgermeister Hans-Jürgen Detje inne. Für den Landkreis Stade werden Kai Seefried (Kehdingen), Michael Ospalski (Stader Geest) und Joachim Raydt (Altes Land) entsandt.