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Einmaliger Urnenfund in Stade

Schulpraktikant und Ausgrabungshelfer David Brandt legt behutsam eine Urne frei
 
Extrem ungewöhnliche Dreierbestattung: Neben diesen zwei Urnen befand sich ein drittes Tongefäß, das bereits für Forschungsarbeiten entfernt wurde

Über 2.500 Jahre alter Friedhof in Riensförde entdeckt

sb. Stade. Das war für Stades Stadtarchäologe Dr. Andreas Schäfer und Grabungsleiterin Andrea Finck eine echte Überraschung: Inmitten des Neubaugebiets im Stadtteil Riensförde, wo demnächst 150 Einfamilienhäuser stehen sollen, kam jetzt ein großes Urnengräberfeld zutage. Die Fachleute haben den historischen Friedhof auf die ältere vorrömische Eisenzeit datiert und der Jastorf Kultur (ab 600 v. Chr.) zugeordnet. Mit den Funden können unter anderem Bestattungs-Riten von vor 2.500 Jahren erforscht werden.

"Durch die intensive landwirtschaftliche Bodenbearbeitung werden nur noch selten Urnenfriedhöfe entdeckt - in Stade zuletzt vor über 40 Jahren auf dem Hohenwedel", sagt Dr. Andreas Schäfer. In Riensförde waren etliche der Urnen mit Steinen geschützt, andere waren mit einer Deckschale versehen und blieben deshalb weitestgehend unversehrt.

Leichenverbrennungen und die anschließende Bestattung in einer Urne waren bereits seit der mittleren Bronzezeit ab 1.500 v. Chr. üblich. Doch erst in der Jastorf-Kultur ab 600 v. Chr. erreichten die Friedhöfe einen Umfang von oft mehreren Hundert Bestattungen. In Riensförde fand das Team um Grabungsleiterin Andrea Finck über 50 Urnen, davon waren mehr als 30 gut erhalten.

Was das Archäologen-Team erstaunt: Offensichtlich wurden die Toten in Familienverbänden bestattet. "Wir haben sogar eine Dreierbestattung entdeckt - ein extrem ungewöhnlicher und bisher einmaliger Fund", erzählt Dr. Andreas Schäfer.

Vereinzelte Grab-Beigaben deuten darauf hin, dass man die Verstorbenen für ein Weiterleben nach dem Tod ausstatten wollte. "Was man den Toten mitgab, wissen wir noch nicht genau", sagt Dr. Andreas Schäfer. Gefunden wurden bisher Metallstücke, die wahrscheinlich zu Trachten gehörten, zum Beispiel Gürtelschnallen. "Interessant ist dabei, dass die Grab-Beigaben vor und nach der Jasdorf-Kultur viel wertvoller waren. Das Spektrum reichte je nach dem gesellschaftlichen Stand der bestatteten Person von wertvollem Schmuck bis zu kunstvoll gearbeiteten Waffen." Die im Vergleich dazu sehr bescheidenen Grab-Geschenke der Jastorf-Kultur könnten laut Schäfer ein Hinweis auf eine egalitäre Gesellschaft sein.

Parallel zu den Ausgrabungen beginnt die Forschungsarbeit. Die in Riensförde entdeckten und geborgenen Urnen werden geröntgt und entleert, die Funde restauriert und der Leichenbrand untersucht. So lassen sich das Alter und das Geschlecht der Toten bestimmen. Auch Krankheiten und Lebensgewohnheiten können ermittelt werden.

• Mit der Jastorf-Kultur brach um 600 v. Chr. ein neues Zeitalter an, die Eisenzeit. Die Umwälzung fand in einem Gebiet statt, das große Teile Norddeutschlands umfasst und hinauf bis ins dänische Jütland reicht. Die Menschen erlernten nach und nach die komplexe Technik der Eisen-Verhüttung, um aus Erzbrocken das harte Metall für Werkzeug, Schmuck und Waffen zu gewinnen.

• Die Eisenzeit spielt bei der aktuellen Neugestaltung des Stader Schwedenspeicher-Museums eine wichtige Rolle. Dort können die Besucher eine interaktive Geschichtsdarstellung dieser wichtigen Periode in der Geschichte erleben.