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Eltern erklären das Schulsystem

Sie leiten das Projekt "Vielfalt nutzen - Bildungsqualität steigern" (v. li.): Melih Tezgel und Iyamide Mahdi vom Verein "Zikko" sowie Gertrud Christophersen und Dr. Eckhart Lantz

Projekt soll Familien mit Migrationshintergrund die deutsche Bildungsstruktur verdeutlichen


sb. Stade. Der kleine Karim spielt gern Fußball mit seinem Vereinskameraden. Doch plötzlich geht das nicht mehr, denn der Trainer hat gesagt, dass nach dem Sport alle gemeinsam duschen sollen. Muslimen ist es jedoch untersagt, mit anderem nackt zu duschen. Auch Fatma ist traurig. Ihr Lehrer hat ihr empfohlen, nach der Schule eine Lehre zu machen. In ihrer Heimat lernen jedoch nur die schlechten Schüler einen Beruf in einem Betrieb, die guten dürfen weiter zur Schule gehen.

"Für Fremdheimische sind deutsche Gebräuche und vor allem das deutsche Bildungssystem oft schwer zu verstehen", sagt Iyamide Mahdi, Vorsitzende des Vereins "Zinkko - Zentrum für interkulturelle Kommunikation und Kompetenz" in Stade. Um kulturelle Hürden abzubauen und ein besseres Verständnis füreinander zu ermögliche, hat "Zinkko" das Projekt "Vielfalt nutzen - Bildungsqualität steigern" auf die Beine gestellt. Eltern mit Migrationshintergrund sollen zu ehrenamtlichen Bildungsberatern ausgebildet werden, die ihr Wissen in ihrer Muttersprache an andere mehrheimische Eltern vermitteln. Das Konzept fußt auf dem erfolgreichen Programm "MiMi - Gesundheit mit Migranten für Migranten", bei dem zuvor geschulte Migranten in ihrer Muttersprache Infoveranstaltungen vom Impfen bis zu gesunder Lebensweise anbieten

Rund 100 Stunden - verteilt auf sechs Monate - umfasst die Ausbildung der Bildungsberater. Auf dem Stundenplan stehen frühkindliche Bildung, das deutsche Schulsystem, Übergang in den Beruf, Schule und Religion, Freizeitangebote und mehr. Mit Gertrud Christophersen, Regierungs-Schuldezernentin im Ruhestand, konnte "Zinkko" eine kompetente Beraterin und Dozentin gewinnen. "Wichtig ist, ein Netzwerk aufzubauen, das Schulen, Eltern, Vereine und Behörden miteinander verbindet", sagt sie.

Projektpate ist der Erste Kreisrat des Landkreises Stade, Dr. Eckart Lantz. "Mit der Maßnahme verbessern wir die Bildungsqualität für junge Leute mit Migrationshintergrund und sichern gleichzeitig Fachkräfte von morgen", sagt er. Er verweist auf die aktuelle Bildungsverlaufsstudie des Landkreises, wonach zu wenig Mehrheimische nach dem Schulabschluss eine Lehre absolvieren - auch weil sie sich der Wertigkeit der dualen Berufsausbildung nicht bewusst sind.

• "Vielfalt nutzen - Bildungsqualität steigern" wird gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (14.500 Euro). An den Gesamtkosten von 25.000 Euro für das 18-monatige Projekt beteiligen sich auch die Stiftung Bildungsregion Stade (7.500 Euro), der Lions Club Stade und der Soroptimist International Club Stade (je 1.500 Euro).

• Wer an einer Ausbildung zum Bildungsberater interessiert ist oder sich als Dozent einbringen möchte, meldet sich beim Verein "Zinkko", Tel. 04141 - 776 149, E-Mail: zinkko@gmx.de