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„Energiebombe“ aus dem Silo ein „Fischkiller“

Matthias Grienitz vom Sportangelverein Stade misst per Elektrobefischung stichprobenartig das Ausmaß des Schadens im Horster Beek. Gerd Zutz (Mi.), Vorsitzender Angelverein Himmelpforten, und Ulf Rotzinger , Untere Wasserbehörde, schauen zu (Foto: Ralf Gerken, Landessportfischerverband)

Pilzblüte nach Sickerwasser-Austritt zehrt Sauerstoff auf: Tausende Forellen tot / Öko-Schäden häufen sich


tp. Landkreis Stade. Wut und Frust bei Naturschützern und Sportanglern auf der Stader Geest: Zwei zur Fischzucht genutzte Bäche und ein Teich sind bei einer Öko-Panne durch ausgetretenes Silage-Sickerwasser verschmutzt worden. Die Folge: Fischsterben. Im Landkreis Stade häufen sich die Fälle.
Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, war wohl über Wochen aus einer undichten Mais-Siloplatte eines landwirtschaftlichen Betriebes in Oldendorf Silage-Sickersaft in den Regenwasserkanal gelangt. Von dort strömte der Saft in ein als Fischteich fungierendes Regenrückhaltebecken am Klärwerk und floss weiter in den Oldendorfer Bach, der in den Horster Beek in Breitenwisch bei Himmelpforten mündet. Der Teich und rund drei Kilometer Bachlauf wurden verunreinigt.
Ralf Gerken (41), wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landessportfischerverbands Niedersachen, beschreibt Silo-Sickerwasser als „Energiebombe“, die „stark toxisch“ auf Jungfische wirke. Sobald der Nährstoff-Cocktail in ein natürliches Gewässer gelangt, breiten sich „Abwasserpilze“ aus und zehren den Sauerstoff auf. Die Fische ersticken.
Zur Bestandskontrolle führten Sportangler und Kreis-Wasserbehörde am vergangenen Wochenende am Horster Beek Elektrofischen durch. Dabei werden Fische per Stromstoß für kurze Zeit betäubt. Sie schwimmen an die Oberfläche und können gezählt werden. Das Ergebnis war ernüchternd: Den Anglern ging nur eine Klein-Forelle ins Netz. Nach Schätzungen von Ralf Gerken, müssen mehrere Tausend Meerforellen-Babies verendet sein. Zudem berichtet er von abgestorbenen Süßwasser-Großmuscheln.
Ein ähnlich desaströses Bild bot sich am Oldendorfer Angelteich und im Oldendorfer Bach. Dort verendeten hunderte Karpfen, Rotaugen und andere Weißfische. Schaden: rund 2.000 Euro.
Die Untere Wasserbehörde des Landkreises Stade prüft die Fälle. Dem Verursacher drohen ein hohes Bußgeld und eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.