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Es fehlen Grundschulleiter

Lehrerin Katharina Fauth hat nach den Sommerferien kommissarisch die Leitung der Grundschule in Guderhandviertel übernommen. Damit steht sie nicht alleine da.
Immer mehr Lehrer übernehmen den Posten kommissarisch, weil keine Bewerber da sind

at. Landkreis. Stunden- und Aufsichtsplan organisieren, Konferenzen leiten, Unterrichtsauslastung erfassen - alles Themen mit denen sich Grundschullehrerin Katharina Fauth seit vergangener Woche auseinandersetzen muss. Sie ist die kommissarische Leiterin der Grundschule Guderhandviertel und in ihrer Position kein Einzelfall. In Niedersachsen sind 117 Leitungsstellen an den 1.700 Grundschulen vakant. In den drei Grundschulen der Samtgemeinde Lühe gibt es aktuell keinen Schulleiter. Der Grund für den Bewerbermangel ist einfach: Der Beruf als Leiter einer Grundschule ist zu unattraktiv.
Anders als Schulleiter am Gymnasium und der Realschule müssen Grundschulleiter neben der Verwaltungsarbeit mehr Unterricht geben. In Schulen bis 50 Kinder mindestens 23 Stunden, ab 180 Kinder 15 bis 18 Stunden. Zum Vergleich: Ein Direktor am Gymnasium muss maximal drei bis vier Stunden Unterricht erteilen. "Die Arbeit in der Grundschule muss auch endlich wichtig genommen werden", sagt Marthe Blanck vom Grundschulverband Niedersachsen. Sie lege schließlich den Grundstein für den Spaß an der Schule und damit auch dem Spaß am Lernen. Marthe Blanck arbeitete selbst jahrelang als Schulleiterin an einer Grundschule in Lilienthal und habe am Ende aufgehört die Überstunden zu zählen.
Auch finanziell lohne sich Leitungsstelle an der Grundschule nicht. Das Gehalt für einen Grundschulleiter liegt in der Besoldungsgruppe A12 (bis zu 4051 Euro) oder A13 (bis zu 4.668 Euro). Ein Gymnasiallehrer steigt bei diesem Gehalt in den Beruf ein und arbeitet sich höher. Bildungseinrichtungen auf dem Land, ohne schnelle Verbindung in die Großstadt, sind unbeliebt. Zu kleine Grundschulen, wie auch die in Guderhandviertel, bekommen darüber hinaus keinen stellvertretenden Leiter.
Katharina Fauth leitet die Schule auch ohne einen Konrektor. Sie war in die Bresche gesprungen, als Rektor Eckhard Schroeder vor den Sommerferien in Pension ging.
Nachfolger auf seine Stelle sind Mangelware. Die junge Lehrerin bezieht aber weiterhin ihr normales Gehalt, Anspruch auf einen Zulage hat sie erst nach 17 Monaten in der Führungsposition. Die zusätzliche Arbeit macht Katharina Fauth also für lau. Nebenbei ist sie die Klassenlehrerin für die zehnte Klasse. Für den Posten der
Leitung gibt sie zehn Stunden Unterricht weniger die Woche - 18 statt 28 Stunden.
Außerdem greifen ihr die Kollegen unter die Arme, wenn sie auf Klassenfahrt mit ihren Schülern geht. "Der Zusammenhalt im Kollegium ist gut", sagt Katharina Fauth. Und auch einer der Gründe, warum sie sich für die Leitung entschieden hätte. Sie könnte sich auch offiziell auf die Stelle der Grundschulleitung bewerben. "Das steht in den Sternen", sagt Katharina Fauth.