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Es wird wieder "geschottert": Auf den Straßen hat die "Flickschusterei" mit Rollsplitt begonnen

Auf den Straßen im Landkreis ist das Rollsplitt-Warnschild derzeit häufig anzutreffen. Hier steht es an der L127 bei Buxtehude (Foto: wd)
(jd). Achtung, Rollsplitt: Vielen Autofahrern steigt die Zornesröte ins Gesicht, wenn sie Schilder mit dieser Aufschrift lesen. Wer schon mit einem Steinschlagschaden in der Werkstatt war, weiß, warum man bei diesem Thema schnell wütend werden kann: Muss die Windschutzscheibe ausgetauscht werden, werden schnell rund 800 Euro oder mehr fällig.

Sommerzeit ist "Schotterzeit". Auf die Straßen im Landkreis wird derzeit wieder reichlich Rollsplitt geschüttet - sehr zum Leidwesen der meisten Autofahrer. Der sommerlichen Fahrbahn-Flickschusterei werden wieder unzählige Frontscheiben zum Opfer fallen. Die Autoglaser in der Region dürfen sich auf etliche Aufträge freuen. Nach Angaben der Versicherer wird fast die Hälfte aller Kaskoschäden durch Steinschlag hervorgerufen. Hauptsächlich ist es aufgewirbelter Rollsplitt, der den Autoscheiben zusetzt.

In der vergangenen Woche waren die Splitt-Kolonnen auf der L127 zwischen Buxtehude und Apensen, auf der L140-Ortsdurchfahrt in Hollern-Twielenfleth sowie auf der L125 bei Dollern unterwegs. Frei nach dem Motto "viel hilft viel" landen dort zum Teil erhebliche Mengen Rollsplitt auf der Fahrbahn - oftmals wesentlich mehr, als tatsächlich benötigt wird.

Laut Maren Quast von der Stader Dienststelle der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr ist mit den ausführenden Firmen vereinbart worden, dass der überschüssige Rollsplitt nach einer Woche wieder aufgekehrt und das Tempolimit von 40 km/h aufgehoben wird. Ob der Splitt-Spuk dann wirklich vorüber ist, wird sich zeigen: In der Vergangenheit blieben die scharfkantigen Steinchen auch mal länger liegen.

Wer vielleicht insgeheim hofft, dass sein Auto in diesem Jahr vor dem großen Schottern verschont bleibt, kann diese Hoffnung schon mal begraben: Nach Auskunft von Maren Quast wird bis Ende September überall auf den Landesstraßen im Kreis Stade Rollsplitt aufgebracht: "Es gibt etliche Abschnitte, in denen die Fahrbahn dringend ausgebessert werden muss."

Auch wenn man selbst noch so vorsichtig fährt und sich an die vorgeschriebenen 40 Stundenkilometer hält: Auf einer frisch mit Rollsplitt versehenen Fahrbahn ist selbst der umsichtigste Autofahrer nicht vor einem Schaden gefeit. Die kleinen Steinchen werden durch die Reifen vorbeifahrender Fahrzeuge hochgewirbelt, und dann ist ist auch schon passiert: "pling" - die Scheibe ist hin. Kritiker bezeichnen das Aufbringen von Rollsplitt als völlig veraltetes Verfahren. Doch angewandt wird es von den Straßenbau-Behörden weiter - aus Kostengründen.

"Rollsplitt ist die einfachste und billigste Form, eine Fahrbahn auszubessern", sagt Hans-Jürgen Haase, Leiter des Geschäftsbereichs Stade der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Eine Rollsplitt-Kolonne bringt auf einer dünnen Bitumenschicht unzählige Splittsteinchen auf. Schnell noch die Schilder mit dem Tempolimit aufgestellt und die Arbeit ist getan.

Den Rest erledigen dann die Autofahrer. Sie werden quasi als "Hilfsarbeiter" eingesetzt: Die Autoreifen sollen den Splitt in das Bitumen einwalken, bis er damit fest verbunden bleibt. Die Reste werden später von einem Kehrfahrzeug aufgefegt. Allerdings ist dieses Verfahren reine Oberflächenkosmetik: Dünne Risse werden zwar gefüllt und der Belag wird wieder griffig, doch größere Fahrbahnschäden können auf diese Weise nicht beseitigt werden.

Welche Straßenabschnitte "geschottert" werden sollen, legt Haases Behörde nach einer Bereisung im Frühjahr fest. Dann ist zu erkennen, wo der Asphalt am stärksten unter dem winterlichen Frost gelitten hat. Größere Maßnahmen werden bereits im Herbst des Vorjahres geplant. In diesem Jahr wendet die Straßenbaubehörde kreisweit 88.000 Euro für die Ausbesserung des Asphalts mit Rollsplitt auf. Im Straßenbau ist das eine lächerliche geringe Summe. Doch mehr gibt der Etat oftmals nicht her. Wesentlich effektivere Reparaturverfahren wie das Aufbringen einer neuen Deckschicht sind aus Kostengründen meist nicht möglich.

So bleibt dem Autofahrer nichts anderes übrig, als sich weiter über schadhafte Straßen und Schäden an seinem Auto zu ärgern, die durch Rollsplitt entstanden sind.