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Flüchtlingskrise: Landrat kritisiert Verteilungsverfahren / Weitere Notunterkunft geplant

Die Notunterkunft an der Glückstädter Straße bietet Platz für bis zu 500 Menschen
 
Landrat Michael Roesberg (Foto: Landkreis Stade)
bc. Stade. Die Kreisverwaltung in Stade wappnet sich für die Ankunft der nächsten Flüchtlinge. Am Mittwoch erreichte Landrat Michael Roesberg das zweite Amtshilfeersuchen des Landes innerhalb weniger Tage. Am kommenden Montag sollen weitere 150 Flüchtlinge in Stade ankommen - quasi direkt von der deutsch-österreichischen Grenze in Bayern, ohne vorher in einer Landesaufnahmeeinrichtung registriert worden zu sein. Roesberg sieht noch kein Ende der Flüchtlingsaufnahme: „Nach meiner Einschätzung werden wir kurzfristig weitere 100 Flüchtlinge aufnehmen müssen.“

Wie berichtet, hat der Kreis in der vergangenen Woche bereits etwa 450 Flüchtlinge in zwei Turnhallen der BBS in Stade untergebracht - die Konsequenz aus dem ersten Amtshilfeersuchen des Landes. Von den Flüchtlingen sind laut Roesberg inzwischen rund 100 auf eigene Faust weiter gereist. Da die Hallen für insgesamt 500 Menschen Platz bieten, geht der Landrat davon aus, dass die Flüchtlinge, die am Montag kommen sollen, alle in der BBS an der Glückstädter Straße unterkommen werden.

Für die nächsten 100 lässt die Kreisverwaltung bereits jetzt die Halle der Friedrich-Fröbel-Schule auf ihre Eignung prüfen. Das Problem: Feldbetten sind so gut wie nicht mehr zu bekommen.

Roesberg rechnet damit, dass die Flüchtlinge nicht nur vier Wochen in der Notunterkunft in Stade - wie vom Land angekündigt - untergebracht werden müssen, sondern länger bleiben, bevor Platz in den überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes ist.

Der Kreischef kritisiert das Land für das planlose Verteilungsverfahren: „Alle Landkreise brauchen eine größere Planungssicherheit. Das ist nicht nur meine Meinung.“ Er könne nicht wochenlang einen Notfallmodus im Kreishaus aufrechterhalten. Wenn er wüsste, was auf ihn zukommt, könnte er einen Schichtplan für die Beschäftigten organisieren. Dann aber mit allen Konsequenzen, dass andere Aufgaben des Landkreises zurückstecken müssten, so Roesberg.

Denn worüber derzeit keiner spricht: Abgesehen von den Flüchtlingen, die der Kreis per Amtshilfe vor Obdachlosigkeit bewahrt, verteilt er gegenwärtig im Schnitt fast 100 Asylbewerber pro Woche auf die Kommunen. Für 2015 wären das nach den Zuweisungszahlen von Anfang September bis Jahresende knapp 3.000 Menschen. Roesberg geht davon aus, dass auch diese Zahl letztendlich vermutlich höher liegen wird.

Unterdessen plant der Kreis die Zeit nach den Ferien in der BBS. Um den Schulbetrieb zu gewährleisten, werden wahrscheinlich Zelte auf dem Parkplatz vor der Schule zur Essensausgabe eingerichtet werden. Derzeit essen die Flüchtlinge im Forum der Schule. Ziel ist es, dass kein Unterricht bis auf die Sportstunden ausfällt.
Für die nächste Woche lädt der Landkreis außerdem die Sportvereine, die betroffenen Schulen und die Hansestadt Stade ein, um Hallenzeiten vorübergehend neu zu organisieren.

• Die Hansestadt Stade wird bis zu 150 Flüchtlinge im früheren und jetzt leerstehenden Kreiswehrersatzamt in Stade unterbringen. „Aber nicht alle auf einmal“, betont Bürgermeisterin Silvia Nieber. Der Bund stellt der Stadt das Gebäude mietfrei zur Verfügung, allerdings muss es saniert werden.

• Auf einem derzeit unbenutzten Parkplatz der Pella Sietas-Werft in Neuenfelde am Rande des Landkreises Stade will die Stadt Hamburg eine Flüchtlings-Containerunterkunft für bis zu 462 Asylbewerber errichten. Das Unternehmen stellt den Parkplatz zur Verfügung.



41 Personen machen keine Angaben

(bc). Insgesamt 472 statt der vom Land im Rahmen einer ersten Amtshilfe dem Landkreis Stade zugeteilten 450 Personen sind im Landkreis Stade angekommen. 431 von ihnen wurden für die Unterbringung in der Berufsschule an der Glückstädter Straße registriert. 379 sind tatsächlich in die Unterkunft eingezogen. Das Angebot muss laut Landkreisverwaltung niemand annehmen.
41 Personen machten keinerlei Angaben, nahmen aber auch keine Hilfen in Anspruch. „Geld bekommt ohnehin keiner der Flüchtlinge ausbezahlt, die jetzt im Rahmen der Amtshilfe aufgenommen wurden“, sagt Sozialdezernentin Nicole Streitz.
Die Flüchtlinge stammen hauptsächlich aus Syrien (197) und Afghanistan (155), keiner von ihnen kommt aus den Staaten des Westbalkans. Es handelt sich vielfach um Familien mit Kindern, gut ein Drittel aller Flüchtlinge ist unter 18 Jahre alt. Mit 38 unter Sechsjährigen ist der Anteil der Kleinkinder hoch.
• Wegen der Zuweisung von weiteren 150 Flüchtlingen (siehe Artikel oben) wird das Hauptgebäude des Kreishauses am Montag, 26.Oktober, für Bürger geschlossen. Davon ausgenommen ist die Auszahlung der Sozialhilfe für die bereits im Landkreis wohnenden Flüchtlinge.