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Früheres Gasthaus in Steinkirchen wird zum Schandfleck

Diese Postkarte von 1920 zeigt, wie das Gasthaus "Zur Post" einst aussah (Foto: Archiv SG Lühe)
lt. Steinkirchen. Eingeworfene Scheiben, ein verwahrloster "Vorgarten" und eine zerfalle Tür: das Haus an der Hauptstraße (Bürgerei 54) in Steinkirchen ist der Schandfleck in der schönen Ortsmitte des Altländer Dorfes. Dass es in dem Haus einst "das beste halbe Hähnchen weit und breit" gab und auf dem Saal im Obergeschoss nicht nur scharf geschossen, sondern auch viel gefeiert wurde, wissen nur noch die Alteingesessenen.
Inzwischen kursieren Gerüchte im Ort, das Haus sei von einem ortsansässigen Obstbauern gekauft worden, der dort Erntehelfer unterbringen möchte. Das WOCHENBLATT hat die Geschichte des Hauses recherchiert:
Ende des 19. Jahrhunderts war zunächst die örtliche Poststation in der Bürgerei 54 untergebracht. Um 1900 eröffnete dann die Familie Brüggmann (später Wahlen) dort das Gasthaus "Zur Post". Viele Jahrzehnte war "Brüchmann" das Zuhause vieler örtlicher Vereine und als Dorfgasthof der Schauplatz von Bällen, Hochzeiten, Beerdigungen, Theateraufführungen und Vereinsfeiern. Auch Fremdenzimmer standen zur Verfügung, in denen zeitweise auch die Schüler der Seeefahrtsschule Grünendeich untergebracht waren.
Und auf dem Saal im Obergeschoss wurde einst sogar scharf geschossen. Die Schützengilde Steinkirchen hatte im Gasthaus "Zur Post" einen mobilen Schießstand - heutzutage undenkbar.
Ein Schicksalsschlag verhinderte schließlich, dass der jüngste Sohn der Familie Wahlen das Gasthaus übernehmen konnte. Der gelernte Koch verstarb als junger Mann. Von 1968 bis Anfang 2006 führte daraufhin Rudolf Schröder - genannt Scholle - das Gasthaus zusammen mit seiner Mutter. Der Spitzname rührt daher, dass auf einer Tafel vor dem Gasthaus stets "Frische Scholle" angepriesen wurde.
Von 2007 bis 2010 war ein Kulturverein Mieter des Hauses und führte die Gaststätte vorübergehend weiter. Das Gebäude war u.a. Treffpunkt türkisch-stämmiger Altländer.
Unter dem jetzigen Eigentümer A.* verfiel die einstige Traditionsgaststätte zunehmend.
Vor rund zwei Jahren sei der Besitzer dann im Rathaus gewesen, um den Abriss des Gebäudes sowie einen Neubau zu beantragen, berichtet Samtgemeinde-Bürgermeister Michael Gosch. Doch daraus sei leider nie etwas geworden.
Das Haus gehört noch immer A., bestätigt dieser auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Er sei seit zwei Jahren in Verhandlungen mit einer Firma, die das Gebäude mieten wolle.
Er habe in letzter Zeit einige Zimmer im Obergeschoss renoviert, sagt A. und hoffe, dass das Gebäude bald wieder komplett genutzt werde. Die ganze Zeit über seien einige Zimmer im hinteren Bereich vermietet gewesen.
Sollte es mit den neuen Mietern nicht klappen, könne er sich auch vorstellen, selbst wieder eine Gaststätte dort einzurichten. Am allerliebsten würde er das Haus aber abreißen.
* Name der Redaktion bekannt