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Garnelen made in Stade

So sieht eine Garnelenzucht aus. Von außen erkennt man nur große Hallen (Foto: Stadt Stade)
  bc. Stade. Können an der Schwingemündung in Stade pazifische Weißbeingarnelen und Zander in Aquakulturen gezüchtet werden? Eine jüngst veröffentlichte Machbarkeitsstudie sagt Ja. Sie kommt zu dem durchaus überraschenden Ergebnis, dass vor allem die Produktion von hochpreisigen Fischen und Krustentieren in geschlossenen Kreislaufanlagen (KLA) wirtschaftlich sinnvoll erscheint - sofern die ohnehin anfallende, überschüssige Industriewärme genutzt wird.

500 Tonnen Zander und etwa 30 Tonnen Garnelen könnten an der Unterelbe jährlich hergestellt werden. Als Frischware für den regionalen Absatzmarkt. Ein großer Vorteil, denn üblicherweise kommen Garnelen tiefgekühlt als Importprodukt zu uns.

Die Projektentwicklung Stade GmbH hat die Studie in Auftrag gegeben, ein Partner des länderübergreifenden Regionalmanagements für den Wirtschaftsraum Unterelbe (das WOCHENBLATT berichtete). Finanziert wurde das Papier durch Zuschüsse der Metropolregion Hamburg. Erstellt hat die Studie letztendlich die Gesellschaft für Marine Aquakultur in Büsum, die die besonderen Synergieeffekte zwischen einer Aquakultur und energieintensiven Betrieben am Beispiel des "chemcoastpark Stade" (Dow, AOS, etc.) untersucht hat.

Rein technisch könnten Fischfarmen fast überall gebaut werden. Nur wirtschaftlich sinnvoll wären sie auf der grünen Wiese nicht. Der "chemcoastpark Stade" ist deshalb so attraktiv, weil dort angesiedelte Unternehmen über große, frei nutzbare Wärmekapazitäten verfügen. Die Weißbeingarnele, die natürlicherweise im östlichen Pazifik vorkommt, brauche konstant warmes Wasser. Die Wärme könnte ohne großen Aufwand geliefert werden.

Mit dem "Garnelen-Abwasser" könnte das Wasser für die Zander gestreckt werden - ein weiterer Kostenvorteil. Auch die vor Ort produzierte Energie könnte der Fischzucht nutzen. Durch entsprechend auszuhandelnde Lieferverträge ließen sich Betriebskosten deutlich senken.

Gerade Garnelen und Zander seien für solche Kreislaufanlagen in der Kombination gut geeignet. Das Risiko von übertragbaren Krankheiten zwischen beiden Arten sei relativ gering, heißt es in der Studie.

Hinzu kommt, dass der Absatzmarkt vor der Haustür liegt. Stichwort Nachhaltigkeit: Aus Rücksicht auf immer knapper werdende Wildfischbestände und im Sinne einer gesteigerten regionalen Selbstversorgung sei es erstrebenswert, mehr Aquakultur in der Region zu betreiben. Der Konsum von Fisch und Meeresfrüchten sei in Deutschland zwar sehr hoch, aber weniger als 20 Prozente der Produkte werden im Inland produziert.

Rund 16,6 Millionen Euro an Investitionskosten entstünden für eine Fischzucht in Stade. Die jährliche Profitabilität betrage etwa 1,4 Millionen Euro.

Sophie Hagebölling von der Wirtschaftsförderung Stade kann sich Fischfarmen an der Unterelbe grundsätzlich vorstellen. Jetzt müssten mögliche Investoren gefunden werden. Ebenso Unternehmen, die ihre Energie und Abwärme kostengünstig abgeben, damit solch ein Projekt wirtschaftlich werde. "Noch ist nichts spruchreif", sagt Hagebölling.

Das Vorhaben ist ohnehin langfristig angelegt. In der Studie heißt es: "Von der Idee bis zum Betrieb einer zuverlässig funktionierenden KLA-Produktion können mehrere Jahre vergehen."