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Gefahr in der Dämmerung

Verendetes Reh am Fahrbahnrand der B74 zwischen Stade und Bremervörde
 
Im Herbst steigt die Zahl der Wildunfälle wie hier an der viel befahrenen B74

Wildunfall auf der B74 bei Stade / Verletzten Tieren nicht zu nahe kommen!


tp. Hagenah. Die leblosen Augen seltsam verdreht, die starren Glieder vom Körper gestreckt, eine Blutlache und Bremsspuren auf dem Asphalt: Nach einem Wildunfall, der sich am Mittwoch, 4. Oktober, vermutlich frühmorgens auf der vielbefahrenen Bundesstraße B74 bei Hagenah im Landkreis Stade ereignete, ließ der Verursacher das tote Reh achtlos am Straßenrand liegen und entfernte sich vom Unfallort, ohne die Behörden zu informieren. Der Kopf des toten Tieres ragte auf die Fahrbahn, sodass während des Berufsverkehrs ein weiteres Unfallrisiko herrschte. Experten empfehlen für Gebiete mit Wildwechsel jetzt eine besonders vorsichtige und vorausschauende Fahrweise.

Denn im Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen, besonders in der hiesigen ländlichen Region. Im Landkreisen Stade wurden im vergangenen Jahr 826 Wildunfälle bei der Polizei und Jadpächtern aufgenommen. Im Kreis Harburg wurden 2016 insgesamt 1.227 Ricken, Böcke und Kitze getötet. In Deutschland ereigneten sich 228.550 Wildunfälle. 3.054 Personen erlitten schwere Verletzungen, 13 kamen ums Leben.

„Am größten ist die Gefahr morgens und abends in der Dämmerung, wenn die Tiere ihre Futterplätze aufsuchen“, warnt Markus Egelhaaf, Unfallforscher bei der Dekra. Mit dem Wechsel von Sommer- auf Winterzeit steigt das Risiko zusätzlich, weil dann der Berufsverkehr in der Abenddämmerung häufiger auf kreuzende Rehe, Hirsche und Wildschweine trifft.

Erhöhte Vorsicht sei für Autofahrer vor allem in Waldgebieten geboten, sagt der Stader Polizeisprecher Rainer Bohmbach mit Blick auf Unfallschwerpunkte auf der Geest bei Fredenbeck, Harsefeld und Apensen. Auch in der bewaldeten Nordheide gilt: mit angepasster Geschwindigkeit fahren und die angrenzenden Bereiche im Blick behalten. Vor allem in der Dämmerung sollte man hier immer bremsbereit sein. Das dient auch der eigenen Sicherheit. Mit steigender Aufprallgeschwindigkeit steigt das Risiko, selbst verletzt zu werden.

Taucht ein Tier am Straßenrand auf, sofort runter mit dem Tempo, abblenden und hupen. Zudem ist immer mit nachfolgenden Tieren zu rechnen. Springt ein Wildtier auf die Fahrbahn, empfiehlt Unfallexperte Egelhaaf: „Das Lenkrad gut festhalten und voll bremsen. Ausweichmanöver enden nicht selten mit einer Kollision mit dem Gegenverkehr oder an einem Baum.“

War ein Zusammenstoß mit einem Wildtier nicht zu vermeiden, so gilt: Warnblinklicht einschalten, Warnweste überziehen und die Unfallstelle sichern. Unbedingt die Polizei oder den zuständigen Jagdpächter informieren.

Keinesfalls sollte man verletzten Tieren zu nahe kommen. Sie können in Todesangst ausschlagen und Menschen schwer verletzen. Verendete Tiere nicht mit bloßen Händen anfassen: Es besteht eventuell Tollwutgefahr. Wer Wild mitnimmt, macht sich der Wilderei schuldig.

Wildschäden sind durch die Teilkaskoversicherung gedeckt. Sie werden auf Basis des Polizeiprotokolls und einer Wildunfallbescheinigung reguliert. Als Nachweis empfiehlt sich zusätzlich, die Unfallstelle und die Schäden am Fahrzeug zu fotografieren.