Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Grabung als Touristen-Event in Stade

Brückenbaustelle: Archäologen finden im alten Hafenbecken die ersten Schätze im Schlick

tp. Stade. Unten schürfen Altertumsforscher nach Kulturzeugnissen vergangener Epochen, oben beobachten Dutzende Schaulustige die Arbeit: An der Baustelle rund um die historische Hudebrücke am historischen Stader Hafen haben Archäologen mit der Arbeit im trockengelegten Hafenbecken begonnen. Die Ausgrabung hat sich innerhalb weniger Tage zum Touristen-Event entwickelt.

Archäologie-Studentin Myga Jalowczarz (25) und Archäologin Wenthe Krüger (29), die das Team der Stader Stadtarchäologie verstärken, leisten einen knallharten Goldschürfer-Job: Sie schütten eimerweise Matsch und Schotter vom Grund des Hafenbeckens durch ein Sieb, spülen den bröckeligen, modrig riechenden Brei mit Wasser aus einem Feuerwehrschlauch durch. Dabei gingen ihnen schon tolle Fänge ins Netz: uralte, handgeprägte Münzen, Pfeifenmundstücke und Spielwürfel aus Knochen, Schreibgriffel, Schiffsnägel von Hanse-Koggen sowie Schmuck und Steinzeug. "Die Funde müssen noch genau datiert werden", sagt Stadtarchäologe Dr. Andreas Schäfer (45). Doch schon jetzt steht fest: Einige Funde stammen aus der Gründungszeit des mittelalterlichen Stader Hafens vor rund 1.000 Jahren.

Die Jäger alter Schätze rechnen mit noch mehr fetter Beute: etwa gravierte Tuch-Plomben aus Blei. Das sind historische Etiketten, mit denen Stoffhändler ihre Ware kennzeichneten. Sie geben Aufschluss über die im Mittelalter bereits weitreichenden Handelsbeziehungen in Europa. Auch sind die Wissenschaftler auf der Suche nach sogenannten Kalfat-Klammern, mit deren Hilfe früher die Fugen von Holzschiffen abgedichtet wurden.
• Derzeit erschwert Sickerwasser, das durch die aus Sandsäcken aufgetürmten Schutzwälle an beiden Brückenseiten dringt, die Arbeiten. Laut Dr. Schäfer wird eine Baufirma in den nächsten Tagen eine Drainage legen.
• Bereits im Jahr 1989 fand eine Hafengrabung an benachbarter Stelle statt. Die Fundstücke sind als "Schätze im Schlick" im Schwedenspeicher-Museum zu bestaunen.
• Um Besucher der Stadt auf das aktuelle archäologische Spektakel aufmerksam zu machen, lässt Dr. Schäfer ein großes Werbebanner aufhängen.