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Große Verunsicherung bei medizinischer Verorgung von Flüchtlingen

Die Karte Vitabook der Firma Ordermed GmbH aus Buchholz könnte ein Ersatz für die Berechtigungsscheine sein (Foto: Ornamed)

So funktioniert die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge

am. Stade. Wenn wir krank sind, gehen wir zum Arzt und legen dort unsere Krankenkassenkarte vor. Was macht aber ein Asylbewerber, wenn er sich das Bein bricht, sein Asthma behandelt werden muss oder er psychologische Betreuung in Anspruch nehmen will? Auf der kürzlich stattfindenden Bezirksstellenversammlung der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung kamen Ärzte aus dem gesamten Landkreis zusammen, um sich über die Grundlagen der medizinischen Versorgung für Flüchtlinge zu informieren.
"Bei den Ärzten herrscht eine große Verunsicherung", sagt Nicole Streitz, Dezernentin beim Landkreis Stade. Was darf ich? Wie sind Leistungen, wie Transport geregelt?" Antwort auf diese Fragen gibt das Asylbewerberleistungsgesetz. Es regelt, welche Ansprüche ein Flüchtling hat, der Leistungen vom Sozialamt bezieht.
Selbstverständlich haben auch Asylsuchende und Geduldete einen Anspruch auf medizinische Versorgung. Sie erhalten beim Sozialamt zwei Berechtigungsscheine; einen für den Allgemeinmediziner und einen für den Zahnarzt. Legen sie diesen vor, kann der Arzt sie behandeln und die Kosten beim Sozialamt abrechnen.
Es gibt auch andere Modelle. Einige Bundesländer haben auf die Berechtigungsscheine, die jedes Quartal wieder neu abgeholt werden müssen, verzichtet. Sie teilen Karten der jeweiligen Krankenkassen an die Flüchtlinge aus. Dabei berechnen die Krankenkassen aber hohe Bearbeitungsgebühren. Markus Bönig, Geschäftsführer der Ordermed GmbH in Buchholz, hat mit der sogenannten "Vitabook" eine kostengünstige Variante entwickelt (das WOCHENBLATT berichtete).
Bei allen Nachweis-Modellen richtet sich die Behandlung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Als Grundleistungen werden "akute Erkrankungen und Schmerzzustände" aber auch alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen, bei Kindern oder Schwangeren etwa behandelt. Chronische Erkrankungen und psychologische Behandlungen sind mit dem Berechtigungsschein oder der Gesundheitskarte nicht abgedeckt. "Ein Arzt kann in einen Gewissenskonflikt geraten", sagt der Flüchtlingsbeauftragte der Ärztekammer Niedersachsen, Raimund Dehmlow, "da er beispielsweise Diabetes nicht ohne Weiteres behandeln darf". Die Bundesärztekammer fordert, dass diese Einschränkungen entfallen.
Im Moment muss jeder Asylbewerber, der eine chronische Erkrankung hat oder der sich in psychologische Behandlung begeben will, zuerst einen Antrag stellen. Diesen prüft ein Fachgutachter beim Gesundheitsamt. Das kann mitunter einige Wochen dauern. Dies sei aber im Vergleich zu anderen Landkreisen im Landkreis Stade noch gut geregelt, sagt Dehmlow.
Bei der psychologischen Betreuung gibt es noch ein weiteres Problem. "Ein Drittel aller Flüchtlinge sind traumatisiert", sagt er, "aber wir haben zu wenige Therapeuten".
Das alles führt auch zu Verwirrungen bei den Flüchtlingen, die mit dem deutschen Gesundheitssystem nicht vertraut sind. Dass ein Krankenhaus nur Notfälle behandelt oder man mitunter sechs Wochen auf einen Termin warten muss, sei vielen Flüchtlingen fremd, sagt Dehmlow. Auch das regelt das Asylbewerberleistungsgesetz: Alle Asylsuchenden, die im Landkreis Stade ankommen, haben bereits eine grobe medizinische Untersuchung hinter sich. Im Erstaufnahmelager werden sie auf meldepflichtige Krankheiten, wie beispielsweise Masern und Röteln untersucht. Dazu wird den Flüchtlingen ab sechs Jahren Blut abgenommen, Kinder ab zwölf Jahren und Erwachsene müssen sich röntgen lassen. Damit wird der Impfstatus ermittelt. Untersuchung im Aufnahmelager