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Grüne Urwaldrelikte: Farne im Rüstjer Forst entdecken

Hinter mannshohem Adlerfarn stehen die Waldexperten Florian Offermanns (v. li.), Heiko Ehing, Rainer Baumgart und Martin Seidel. Das Urgewächs ist eine Bedrohung junge Laubbäume im Rüstjer Forst und wird mit Knüppeln bekämpft
 
Florian Offermanns mit einem Frauenfarn: Ein dünnes Leitbündel, das scherzhaft „Straps“ genannt wird, ragt aus dem Stiel

Die "Dinos der Pflanzenwelt" tragen Strapse / Sonder-Ausstellung im Herbst / „Knüppeln“ gegen giftige Riesen

tp. Rüstje. Sie gehörten vor Jahrmillionen zu den ersten Pflanzen, die die Erde mit sattem Grün bedeckten - Farne, die „Dinosaurier der Flora“, denen die Niedersächsischen Landesforsten jetzt eine Sonderausstellung (siehe Infokasten) widmet.

Obgleich ihnen Blüten fehlen, bestechen sie mit großer Vielfalt und allerlei sonderbaren Eigenschaften: Sie besitzen tausende kleine Sporen, die als Fortplanzungsorgane unter den Blättern haften. Manche eignen sich als Arznei, andere wiederum sind giftig. „Einige tragen sogar Strapse“, sagt der angehende Forstinspektor Florian Offermanns mit einem Schmunzeln und pflückt zum Beweis Frauenfarn, der im Rüstjer Forst bei Fredenbeck wächst.

Offermanns bricht vorsichtig den Stiel. Dabei treten zwei Wasserleitbündel zum Vorschein, die entfernt an ein Paar grazile Damenbeine erinnern. Selbst Profis wie Förster und Biologen haben solche Eselsbrücken nötig. Denn das Reich der Farnpflanzen ist riesig. Weltweit gibt es rund 12.000 Arten (Farne, Bärlappe und Schachtelhalme), von denen in Niedersachsen 50 heimisch sind.

Die meisten Farne, die jetzt im Sommer an Wegrändern und im Schatten der Bäume wuchern, wirken auf den ersten Blick sehr ähnlich. Für Farn-Exkursionen empfiehlt der Förster und Revierleiter in Rüstje, Martin Seidel, daher ein Bestimmungsbuch und eine Lupe.

Eine für die Forstwirtschaft besonders bedrohliche botanische Urzeit-Art erkennt er ganz ohne Hilfsmittel: den Adlerfarn. „Ogottogott“, kommentiert Seidel eine Kolonie dieser Farnsorte, die innerhalb eines Monats zu mannshohem Dickicht aufgeschossen ist und jetzt jungen Buchen Licht, Wasser und Nährstoffe raubt. Da hilft nur Knüppeln: So nennen die Waldarbeiter die einfache aber anstrengende Technik, bei der sie die Farnpflanzen mit gezielten Holzstock-Schlägen knicken. Eine Sysiphus-Arbeit: Im nächsten Frühjahr wuchert der Adlerfarn garantiert wieder. Was die Bedrohlichkeit des grünen Giganten verstärkt: Er ist von der Wurzel bis zur Blattspitze giftig. Schafe und Rinder meiden den Adlerfarn, der schädliche Blausäure enthält, instinktiv. Seinen Namen erhielt der Adlerfarn übrigens aufgrund seines prägnanten Stiel-Querschnitts, der die markanten Züge des Wappenvogels trägt.

Einen heilsamen Vertreter der Farn-Familie treffen Naturfreunde auf fast jedem Waldspaziergang: den rund einen Meter hohen gemeinen Wurmfarn, dessen breite Blattwedel in Rosetten angeordnet sind. Er enthält in den Wurzeln medizinisch wirksame Substanzen, die Darmparasiten lähmen. Früher wurden Extrakte gegen Bandwurmbefall an Menschen und Tiere verabreicht.


Foto-Ausstellung im Landkreis

In der von dem als exzellenter Artenkenner bekannten Forstamtsleiter Christian Weigel zusammengestellten Fotoausstellung „Farne in Niedersachsen“ werden 22 zum Teil sehr seltene Farnarten auf Stellwänden präsentiert. Reiner Baumgart, Pressesprecher Nord-Ost-Niedersachsen der Niedersächsischen Landesforsten, will die Wanderausstellung ab Herbst in den Landkreis Stade holen. Mehr erfahren Sie rechtzeitig in Ihrem WOCHENBLATT.


Naturführung vereinbaren

Wer tiefer in die Welt von Tüpfelfarn, Rippenfarn, Echenfarn, Dornfarn und Co. eintauchen will, erhält weitere Infos bei Heiko Ehing (Forstamt Harsefeld, Funktionsstelle Waldökologie/Waldnaturschutz). Tel. 04795 - 956400. Farn-Führungen können beim Waldpädagogikzentrum Bremervörde, Tel. 04164 - 819321 erfragt werden.