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Gutes Gas - böses Gas

Betriebsleiter Jürgen Bußmann im Chlorlager des Solemio. Zwölf Druckgasflaschen à 65 Liter Chlorgas sind ständig an die Leitungen angeschlossen

Verunsicherung nach Umwelt-Alarm in Stade / Schwimmbad-Chef sagt: "Ohne Chlor kein sauberes Becken"

tp. Stade. Montagmorgen im Bad Solemio in Stade: Wegen eines Lecks am Schließventil einer Druckflasche im Chlorraum auf dem Freibadgelände löst die Warnanlage Alarm aus. Das benachbarte Hallenbad, in dem sich Frühschwimmer aufhalten, wird vorsichtshalber evakuiert - auch, weil die Gebäudelüftung ausgeschaltet wurde, damit eine eventuell austretende Chlorgas-Wolke nicht ins Hallenbad dringt. Kein Einzelfall: Im Mai rückte die Feuerwehr wegen Chlorgas-Austritts zu einem Großeinsatz ins Hallenbad Hittfeld im Kreis Harburg aus.

Warum ist der Einsatz von Chlorgas als Desinfektionsmittel überhaupt nötig? Das WOCHENBLATT informierte sich bei Jürgen Bußmann (50), Betriebsleiter der Stader Bädergesellschaft und Solemio-Chef. Der Meister für Bäderbetriebe sagt: "Ohne Chlorgas kein sauberes Wasser in öffentlichen Bädern." Ein Becken wäre innerhalb von zwei Tagen völlig verschmutzt.

Chlorgas ist ätzend und beim Einatmen giftig und wurde im Zweiten Weltkrieg sogar als Kampfmittel eingesetzt. Eingeatmetes Chlorgas führt zu einem lebensbedrohlichen Lungenödem. In vorschriftsmäßig niedriger Dosierung ist es unschädlich, wirkt antibakteriell, tötet Keime.

Der typische Hallenbadgeruch stammt laut Bußmann übrigens nicht vom Chlor, sondern von Chloraminen, die bei der Desinfektion entstehen. Die bilden sich durch die Reaktion von Chlor mit Harnstoff, Kreatinin, das mit dem Urin ausgeschieden wird, oder anderem organischen Schmutz und lösen Augenreizungen aus. Im Schwimmbadkreislauf werden Chloramine mit Aktivkohlefiltern aus dem Wasser entfernt und fließen mit dem Abwasser in die Kanalisation.

Der Unterhalt der Reinigungstechnik ist kosten- und arbeitsintensiv: Eine computergestützte Mess- und Regeltechnik hält die Chlor-Konzentration in der vorgeschriebenen Dosierung. Die elektronische Gas-Warnanlage ist mit der Einsatzleitzentrale der Feuerwehr verbunden. In neue Aktivkohle-Filtertechnik für ein Becken investierte das Solemio jüngst 10.000 Euro. Alle vier Stunden wird das Schwimmbadwasser komplett umgewälzt. Drei Mal täglich wird freies und gebundenes Chlor händisch gemessen. Die Vakuum-Gasleitungen aus Kunststoff werden regelmäßig gewartet. Der letzte Check im Solemio war im August. Monatlich überprüft ein Hygiene-Institut die Wasserqualität.

Besondere Sorgfalt erfordern die warmen Solebecken. Aus den höheren Temperaturen resultiert eine stärkere Keimbildung. Das erfordert weitere Chlorzugabe. Als Nebenprodukt sammeln sich Trihalogenmethane an der Wasseroberfläche. Die Gase stehen in Verdacht, bei Kleinkindern Asthma auszulösen.

Jeder Badegast kann helfen, den Aufwand niedrig zu halten: Vor dem Schwimmen gründlich unter der Dusche abseifen. Und: Ab auf die Toilette, wenn die Blase drückt!

http://www.solemio-stade.de/